Steffen Freund hat sich während des Länderspiels zwischen Deutschland und Mazedonien sexistisch geäußert. Imago/Revierphoto

Als Fußballer hat Steffen Freund so einiges gewinnen. Der Brandenburger, der bei der BSG Motor Süd das Kicken lernte und später bei der BSG Stahl zum Vertragsamateur wurde, gewann 1996 mit der wiedervereinigten deutschen Nationalmannschaft den Europameister-Titel und wurde mit Borussia Dortmund erst zweimal Deutscher Meister, ehe er 1997 die Champions League mit den Westfalen gewann. Nach seinem Karriereende im Jahr 2004 begann Freund eine zweigleisige Karriere als (Co-)Trainer und TV-Experte. Während Freunds letztes Engagement als Trainer bereits sechs Jahre zurückliegt häuft sich nun auch bei seinem Expertenjob die Kritik. Nun wurden Sexismus-Vorwürfe laut.

Shitstorm gegen Fußball-Experte Steffen Freund

Aufhänger war eine Szene im WM-Qualifikationsspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien in Skopje (4:0). Freund, der für RTL arbeitet, war als Co-Kommentator von Marco Hagemann im Einsatz, als sich rund um die 23. Minute Arijan Ademi, defensiver Mittelfeldspieler der Gastgeber, schwer am Knie verletzte. 

Als der Sender dann noch einmal die Zeitlupe zeigte, in der schnell deutlich wurde, dass hier etwas mit dem Knie nicht stimmt, sagte Freund, dass Frauen bei dieser Szene doch „bitte wegschauen“ sollten. Und das kam im Netz so gar nicht gut an. Wieso sollten Frauen grundsätzlich bei einer Szene wegschauen, war der Tenor.

Twitter-User keilen gegen Steffen Freund

Ein User auf Twitter wurde sehr deutlich: „‚Die Frauen bitte wegschauen bei dieser Zeitlupe. Das tut schon weh beim Zuschauen‘, sagt Steffen Freund. Warum? Weil Frauen verweichlichte Geschöpfe der Menschheit sind und keinen Schmerz vertragen können? Ich dachte, im Jahr 2021 sind wir über solche Klischees hinweg.“ Viele weitere pflichteten ihm bei.

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Steffen Freund hat das Spiel zwischen Deutschland und Nordmazedonien zusammen mit Marco Hagemann kommentiert. AUDIO NOW/Jörg Carstensen

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Gegenüber der dpa rechtfertigte sich Steffen Freund noch. „Bei der Verletzung von Ademi habe ich einfach nur an meine Frau denken müssen, die solche Zeitlupen, wie ich auch, nur sehr schlecht ertragen kann“, sagte der Brandenburger. „Ich hoffe, dass Ademi sich nicht zu schwer verletzt hat und wünsche ihm gute Besserung.“

Nicht der erste sprachliche Ausrutscher von Steffen Freund

Es ist nicht das erste Mal, dass Stefen Freund mit seinen Aussagen für einen Shitstorm sorgt. Vor knapp einem Jahr saß der ehemalige Nationalspieler im Fußball-Talk Doppelpass beim Sender Sport1 und diskutierte über den Niedergang seines Ex-Klubs Schalke 04. In diesem Zuge äußerte er sich rassistisch über die beiden damaligen Schalker Spieler Nabil Bentaleb und Amine Harit und brachte ihre Herkunft mit ihrem Charakter in Verbindung.

So sagte er über Bentaleb: „Nabil Bentaleb kenne ich persönlich, Tottenham Hotspur, war dort Spieler, ist dort groß geworden, unglaublich viel Talent, einer der besten Spieler dann auch. Und im Endeffekt bei Schalke gelandet, aber ist französisch-algerischer Herkunft, Charakter. Wenn die so Kaderplaner haben, muss man wissen, dass eine gewisse Aggressivität, auch eine Disziplinlosigkeit schnell kommt, wenn er nicht derjenige ist, der gesetzt ist.“

Und über Harit, dessen Eltern aus Marokko stammen, sagte er: „Jeder Spieler muss bereit sein, sein Herz auszuschütten für den Verein. Und dann bin ich auch bei Harit: Auch er kann das natürlich nicht mit diesen Wurzeln.“ 

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Auch in diesem Fall rechtfertigte sich Freund später. Das sei nicht rassistisch gewesen, sagte er. Aber die Herkunft – bei Bentaleb „französisch-algerisch, Armut“ – spiele eine Rolle, „wie du als Mensch aufwächst und wie deine Mentalität ist“, so seine damalige Erklärung.