So wie in dieser Montage könnte die Kampenwand mit dem Konterfei Lugwigs II. aussehen. Foto: Imago-Images/Westend61 und Imago stick&people/Günter Lenz

Vor dem 175. Geburtstag des bayerischen Königs Ludwig II. hat ein monumentales Vorhaben hitzige Debatten ausgelöst. Die treuen Königsanhänger vom Geheimbund Guglmänner wollen ein Konterfei des sagenumwobenen Herrschers meterhoch in die Kampenwand bei Aschau im Chiemgau meißeln lassen. Von der 1669 Meter hohen Felswand aus könne der König direkt auf das von ihm geschaffene Schloss Herrenchiemsee schauen, sagt Guglmänner-Sprecher Fredl Helm. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Etwa 25 Meter hoch könnte das Porträt werden, das Steinmetzlehrlinge in den Fels schlagen sollen. In einem Jahr, so Helm, könnte das Werk fertig sein – dann als nachträgliches Geburtstagsgeschenk zum 175. des Monarchen am 25. August. Wenn es nur endlich Resonanz der Verantwortlichen gäbe – und ein Go für die Arbeiten.

Ludwig II. von Bayern wird auch als Märchenkönig bezeichnet. Foto: Imago stock&people

Nun hoffe man auf Unterstützung von Ministerpräsident Markus Söder. „Er ist schließlich der eigentliche Nachfolger“, sagt Helm. An die 500 Postkarten mit einer Fotomontage und Beschreibung der Idee hätten Unterstützer inzwischen an ihn gesandt. Zum Vorschlag der Guglmänner wollte sich die Staatskanzlei ebenso wenig äußern wie Freiherr Rasso von Cramer-Klett, an den auch Postkarten rausgingen. Die Kampenwand gehört zu seinem Besitz.

In der Gemeinde Aschau ist man von dem Vorschlag nicht besonders beeindruckt. „Wir möchten lieber die Kampenwand im natürlichen Charakter erhalten“, sagt Herbert Reiter, Leiter der Tourist Info. „Es ist nicht unsere touristische Philosophie, dass wir die Masse hier haben wollen.“ Der Aschauer Ortsteil Sachrang trägt nicht zuletzt den Titel „Bergsteigerdorf“ – Markensiegel für sanften Tourismus und Verzicht auf spektakuläre Attraktionen.

Der Deutsche Alpenverein spricht von einem „ziemlich absurden Plan ohne Realisierungschancen“. „Bei der Aktion geht es wohl eher darum, auf die Guglmänner aufmerksam zu machen“, sagt Sprecher Thomas Bucher.

Die „Guglmänner SM. König Ludwig II.“ sind überzeugt, dass Seine Majestät sich einst nicht selbst tötete, sondern ermordet wurde. Die auf die Zeit der Kreuzfahrer zurückgehende Bruderschaft war bei Beisetzungsfeierlichkeiten für die Könige der Wittelsbacher dabei: in schwarzen Kutten, die Kapuze (die Gugl) mit Sehschlitzen über dem Kopf, in der Hand zwei gekreuzte Fackeln.

Die Guglmänner verehren König Ludwig II. und tragen zum Weiterleben von Verschwörungstheorien zu dessen Tod bei. Foto:  dpa/Matthias Schrader

Eine Herausforderung des Kampenwandfelses für das Vorhaben: das wenig haltbare Kalkgestein. „Wenn man da meißelt, kommen nur Brösel raus“, sagt Reiter. Helm schreckt das nicht. Notfalls müsse man mit der Injektion von Harzen arbeiten.

Vorbild für das Projekt sei Mount Rushmore in den USA, von dem die früheren US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln herabblicken. Sollten Einheimische an der Kampenwand Bedenken haben, werde man sofort Abstand nehmen, sagt Helm. „Wir wollen mit niemandem Ärger bekommen, aber normalerweise sollte jeder anständige Bayer sagen: Dem König Ludwig II. gebührt so was und das muss sein.“