Ein brennendes E-Auto sorgt in Amerika für Schlagzeilen. (Symbolbild)  IMAGO / Panthermedia

Die Geschichte klingt wie ein schlechter Film. Ein sehr schlechter! Ein Familienvater, dessen E-Auto in den USA abbrannte, soll nun 10.000 Euro blechen. Der absurde Grund: Die achtjährige Garantie auf die Batterie, von der das Feuer ausging, sei mit dem Brand erloschen!

Was nach purem Wahnsinn klingt, treibt Scott derzeit in eben jenen. Mit seinem Chevrolet Bolt EV, der derzeit nur in den Vereinigten Staaten zu haben ist, war er nach eigenen Angaben bereits rund 34.000 Kilometer gefahren. Und immer voll zufrieden! Eineinhalb Jahre schon war er stolzer Besitzer des Wagens, für den er so schwärmte. Bis zu diesem Tag. Auf dem Portal Electrek erzählt Scott von dem verheerenden Brand, von dem GM bestätigte, dass er mit der Batterie zusammenhing. Ein Rückblick:

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Der Chevrolet Bolt EV eines Familienvaters brannte aus, ein technischer Defekt war Schuld. Doch auf dem Schaden bleibt er trotz Garantie und Versicherung sitzen. (Symbolbild) IMAGO / ZUMA Wire

Er habe am Morgen des 29. Juni 2020 sein Auto aufgeräumt. Er musste es für eine kleinere Reparaturarbeit am Dachlack in eine örtliche Werkstatt bringen. Persönliche Gegenstände räumte er aus. Auf der Rückbank blieb nur die Babyschale seines wenige Monate alten Sohnes zurück.

E-Auto fängt Feuer, Kindersitz verschmilzt mit Rückbank

„Ich erinnere mich, dass ich das beste Gefühl der Welt hatte, als ich meinen Sohn zum ersten Mal in seinen Autositz setzte. Dies war ein stabiles, sicheres und sauberes Auto für meine Familie“, erinnert sich Scott rückblickend. Er war Verfechter von E-Autos, hätte nie einen Zweifel an deren Sicherheit gehabt, auch wenn es viele Kritiker in seinem Umfeld gab.

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Wenige Stunden, nachdem er seinen Wagen in der Werkstatt abgegeben hatte, bemerkt er einen verpassten Anruf und eine SMS, in der stand: „Notfall zu Ihrem Auto – sofort anrufen“. Noch bevor die Werkstatt überhaupt die Gelegenheit hatte, sich das Auto anzusehen, hatten Mitarbeiter einen schrecklichen beißenden Geruch wahrgenommen und es qualmte aus dem Fahrzeug. Tatsächlich hatte die Batterie, die direkt unter dem Kindersitz verbaut war, Feuer gefangen. Ohne erkennbaren Grund.

Als Scott in der Werkstatt ankam, bot sich ihm ein Bild des Grauens. „Das Auto war ein Chaos von dem chemischen Spray. Und was mir noch heute in Erinnerung geblieben ist, ist das Bild des Autositzes meines Sohnes, der mit der Rückbank verschmolzen ist. Ich dachte immer wieder, was wäre, wenn mein Sohn da drin gewesen wäre?“

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Batterie in E-Auto hatte eigentlich noch Garantie

Doch damit nicht genug. Wer jetzt denkt, da hatte er aber Glück im Unglück, der täuscht sich! Natürlich ist immerhin kein Mensch zu Schaden gekommen. Aber auch der finanzielle Verlust schmerzt richtig. Denn zwar gibt es vom Hersteller auf die Batterie eine achtjährige Garantie (und diese Frist war längst nicht abgelaufen), doch die sei mit dem Brand erloschen! Wie bitte?!

Das Problem mit der Batterie beim Chevrolet Bolt EV, Modelljahr 2019, ist übrigens kein Einzelfall. 68.000 Bolt-Elektrofahrzeuge wurden im November letzten Jahres zurückgerufen. IMAGO / ZUMA Wire

Und die Versicherung? Die zahlte nur einen Zeitwert. Nur war Scotts 18 Monate altes Auto schon nur noch etwa die Hälfte dessen wert, was er dafür bezahlt hatte. Während er dem Autohaus noch 33.000 Dollar schuldete, bekam er von der Vollkasko nur 21.000 Dollar erstattet. Auf dem Rest – immerhin 12.000 Dollar oder 10.000 Euro – bleibt er bis heute sitzen. Die muss er nun noch blechen. Ein neues Auto? Fehlanzeige! Und das alles wegen eines Schadens, für den er gar nichts kann.

Das Problem mit der Batterie beim Chevrolet Bolt EV, Modelljahr 2019, ist übrigens kein Einzelfall. 68.000 Bolt-Elektrofahrzeuge wurden im November letzten Jahres zurückgerufen. Während Hyundai ein ähnliches Problem hatte und sich schließlich dafür entschied, alle Kona EV-Batterien durch neuere zu ersetzen, entschied GM, dass Software ihre Probleme beheben könnte. Ob die Scotts E-Auto-Alptraum verhindert hätte?