David H., der Dominik S. in einem Sportwagen getötet haben soll, sitzt im Hochsicherheitsgerichtssaal des Oberlandesgerichts. Foto: Matthias Balk/dpa

Mit viel Dramatik hat am Montag in München der Prozess um die Tötung eines Mannes in seinem Sportwagen begonnen. „Mörder, du Mörder, du hast unseren Jungen umgebracht“, rief eine Familienangehörige des Opfers Dominik S., als der Angeklagte David. H. den Saal betrat, kurz bevor das Verfahren des Landgerichts München I losging. „Du verreckst“, rief eine andere. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen vor, das Opfer am Abend des 17. März 2020 aus Habgier und heimtückisch mit drei Schüssen ermordet zu haben.

Motiv für die Tat waren laut Anklage 8000 Euro Schulden im Zusammenhang mit Kokaingeschäften, die der Barkeeper nicht zurückzahlen wollte. „Er stellte damit sein eigenes rücksichtsloses Streben nach finanzieller Entlastung in krasser Eigensucht über das Lebensrecht des Geschädigten“, sagte der Staatsanwalt.

Die Zwischenrufe schafften eine beklemmende Atmosphäre im Gerichtssaal, die anhielt, als die Anwältin von David H. dessen Aussage verlas. Denn Dominik S. und David H. hatten einen Deal: Barkeeper H. brauchte Kokain, um durch den Tag zu kommen. Jeden Monat erhielt er von Dominik S. zehn Gramm, bezahlt wurde immer am Monatsende. Außerdem musste H. sein späteres Opfer stets nachts abholen, wenn der zu berauscht zum Autofahren war. „Wir gingen ab und an mal zusammen feiern und zum Essen“, schilderte der Angeklagte und sprach von einer Abhängigkeit, in die er geraten sei. Und von Streit. Der 25-jährige mutmaßliche Dealer habe plötzlich mehr verlangt, als das geschuldete Geld. Eine Art Zinsen. Am Ende soll er 8000 Euro zahlen.

Ein Teufelskreis sei das gewesen, er habe sich bedroht und massiv unter Druck gesetzt gefühlt. In letzter Not erzählt der 24-Jährige, seine Mutter würde das Geld mit Hilfe eines Kredits aufbringen. Am 17. März 2020 eskaliert die Situation. Der Barkeeper holt eine Waffe vom Dachboden, die er dort versteckt hat. Er ist später mit dem 25-Jährigen verabredet und will ihn damit beeindrucken, wie er sagte. Doch das klappt nicht. Als er hinten im Sportwagen sitzt, macht der 25-Jährige vorne auf dem Fahrersitz eine Bewegung. Er habe Schläge oder einen Messerangriff gefürchtet, sagte der Barkeeper. Und: „Ich habe meine Augen zugemacht und einfach abgedrückt.“ Dann haut er ab. In der Anklage heißt es: Das Opfer habe nicht mit einem Angriff auf sein Leben gerechnet. David H. habe sein rücksichtsloses Streben nach finanzieller Entlastung über das Leben des Geschädigten gestellt.

Gut eine Woche nach der Tat am 27. März 2020 wurde der Barkeeper festgenommen. Im Februar legte er eine filmreife Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim hin, wurde aber noch am selben Tag wieder gefasst. Der Prozess gegen ihn findet nun im Hochsicherheitsgerichtssaal im Keller des Gefängnisses statt.