Mehr als 200 Flüchtlinge waren zeitweise auf der „Louise Michel“. Foto: AP/Santo Palacios

Erst Mitte der Woche wurde bekannt, dass der britische Graffiti-Künstler Banksy ein Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer gestiftet hatte. Wie wichtig diese Spende war, zeigte sich schon nach wenigen Tagen. Durch zwei Rettungen innerhalb von zwei Tagen rettete die Crew der „Louise Michel“ 219 Menschen aus seeuntauglichen Booten – und brachte sich dadurch selbst in eine heikle Lage.

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Am Samstag setzte die zehnköpfige Besatzung des unter deutscher Flagge fahrenden Schiffes einen Notruf ab. „Wir brauchen sofort Hilfe“, schrieb die Crew im Onlinedienst Twitter. Dort dokumentierte die Crew auch zahlreiche Kontaktaufnahmen mit Seenotleitstellen. Doch weder aus Malta, noch aus Italien habe es eine Antwort gegeben. Auch ein Anruf bei der Seenotleitung in Bremen sei demnach am Freitagabend ohne Antwort geblieben. 

Das 31 Meter lange Schiff war aufgrund der vielen geretteten Menschen so stark überladen, dass es manövrierunfähig war. 33 Menschen mussten demnach in einer an dem Schiff befestigten Rettungsinsel ausharren. An Bord seien zudem viele Verletzte gewesen, die Verbrennungen durch Treibstoff erlitten hatten. Auch ein Toter hat sich nach Angaben der Seenotretter an Bord befunden. 

Ankunft auf Lampedusa: Die italienische Küstenwache hat 49 Menschen vom Rettungsschiff „Louise Michel“ übernommen. Foto: AFP/Mauro Seminara

Da zunächst keine staatlichen Stellen reagierten, machten sich mehrere private Seenotrettungsschiffe auf, um der „Louise Michel“ zu helfen. Dann reagierte die italienische Küstenwache doch und nahm 49 besonders geschwächte Flüchtlinge, darunter 32 Frauen und 13 Kinder an Bord und brachte sie nach Lampedusa. Auch den Körper der toten Person nahmen sie mit. Die restlichen Flüchtlinge nahm die „Sea Watch 4“ auf, die deutlich größer ist und eine kleine Klinik an Bord hat.