Schnell und einfach geht das Bezahlen ohne Bargeld. Achten Sie aber auf die Gebühren! Foto: dpa/Hildenbrandt

Es ist ein Nebeneffekt der Corona-Krise. Seit einigen Wochen zahlen mehr Kunden an den Kassen mit Karte oder Smartphone und weniger häufiger mit Bargeld als sonst. Zum einen liegt das daran, dass viele Supermarktketten ihre Kunden bitten, bargeldlos zu bezahlen, um so Übertragungen von Covid-19-Infektionen zu minimieren. Aber auch bei Kunden selbst steigt die Nachfrage nach kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten.

Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1003 Personen ab 16 Jahren versuchen drei Viertel der Befragten aktuell, Zahlungen mit Bargeld so oft es geht zu vermeiden. Sieben von zehn Befragten (71 Prozent) wünschen sich zudem mehr Möglichkeiten, um kontaktlos bezahlen zu können – also die Girocard oder Kreditkarte noch nicht einmal aus der Hand geben zu müssen und per Funkverbindung zahlen zu können.

„Dabei wird verschwiegen, dass bargeldloses Zahlen richtig teuer und eine Kostenfalle für viele Kundinnen und Kunden werden kann, die erst bei der Entgeltabrechnung sichtbar wird“, erklärt Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW).

An Gebühren können pro über 100 Euro zusammenkommen

So hat eine im Mai durchgeführte Untersuchung des Finanzportals Biallo ergeben, dass knapp die Hälfte aller Sparkassen und Volksbanken in Deutschland Gebühren für das Bezahlen mit Girocard erheben. Durchschnittlich rechnen die Institute demnach 34 Cent pro Bezahlvorgang ab. Die Berliner Sparkasse zum Beispiel verlangt bei ihrem Konto „Giro Individual“ 30 Cent, bei der Berliner Volksbank sind Bezahlvorgänge im Gegensatz zu vielen anderen regionalen Volksbanken kostenfrei. Die höchsten Gebühren erhebt die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe mit 70 Cent pro Benutzung der Karte.

Hochgerechnet auf ein Jahr kann da schon ein ordentlicher Betrag zusammenkommen. Angenommen die Girocard wird nur einmal pro Tag für einen kontaktlosen Bezahlvorgang eingesetzt, macht das aufs Jahr gerechnet bei durchschnittlich 34 Cent pro Posten knapp 110 Euro.

Ob Gebühren dieser Art erhoben werden, ist abhängig vom Kontomodell. Häufig werden diese bei ansonsten kostenlosen Basiskonten veranschlagt. Bei Konten mit einer höheren monatlichen Kontoführungsgebühr fallen diese Kosten zumindest nicht an.

„Fatal dabei ist, dass in den meisten Fällen diese Gebühr an keiner Stelle ausgewiesen wird“, heißt es in der Auswertung von Biallo. Die Informationen dazu seien nicht explizit aufgelistet, konkrete Antworten erhielte man erst durch Nachfrage. „Verdacht sollte der Bankkunde immer dann schöpfen, wenn irgendwo auf der Website Preise für ,beleglose Buchungen‘ ausgewiesen sind“, rät das Finanzportal. Darunter könnten auch Bezahlvorgänge fallen.

Wenn die Gebühren zu hoch werden: Bank wechseln

„Das Vorgehen dieser Institute ist nicht nachvollziehbar“, betont Olschok von der BDGW und kritisiert die Preispolitik als „unseriös“. Es gibt aber auch Institute, die transparent mit den Gebühren umgehen. So sind die Preise bei der Berliner Sparkasse beispielsweise einzeln angegeben. Unter dem Punkt „Buchungen“ finden Kunden den Posten „Gutschriften und Lastschriften inkl. Kartenzahlungen“, der beim Konto „Giro Individual“ mit 30 Cent ausgezeichnet ist. „Wer feststellt, dass das Kontomodell nicht mehr zu den Bezahl- und Bankinggewohnheiten passt, kann es jederzeit rückwirkend für den laufenden Monat wechseln“, heißt es seitens eines Sprechers. Bei anderen Kontomodellen werden Gebühren dieser Art nicht erhoben.

Bei der Wahl des Kontos kommt es deswegen immer auch auf die persönliche Nutzungsweise an. Stehen häufig Auslandsreisen an? Dann wäre ein Konto günstig, das nur wenig Gebühren beim Geldabheben im Ausland erhebt. Wird womöglich häufiger die kurzzeitige Überziehung des Kontos nötig sein? Dann sollte die Präferenz auf einem niedrigen Dispokredit liegen. Und wer eben künftig an der Supermarktkasse seltener zum Bargeld greifen möchte, für den kann es sich lohnen, zu einer Bank zu gehen, die für einzelne Bezahlvorgänge keine Gebühren erhebt.

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So funktioniert bargedloses Bezahlen

Per Funkverbindung: Kontaktloses Bezahlen ist mit allen Girocards und Kreditkarten möglich, die einen NFC-Chip besitzen. Auch mit einem Smartphone kann kontaktlos bezahlt werden. Dieses muss dann nur ein paar Zentimeter vor das Bezahlterminal gehalten werden. Über die Funkverbindung NFC wird die Überweisung dann automatisch durchgeführt.

Via Schnittstelle: Damit Kunden kontaktlos bezahlen können, muss der Handel diese Technik integrieren. Laut dem Deutschen Handelsverband haben circa 85 Prozent der Händler in Deutschland diese Schnittstelle integriert. Ob der Supermarkt oder der Klamottenladen das Verfahren anbietet, können Kunden an einem kleinen Wellensymbol am Bezahlterminal erkennen.