Transgender-Frauen in Bangladesch beim Lesen des Korans.  Foto: Munir Uz Zaman/AFP

Bangladesch eröffnet seine erste Islam-Schule für Transgender-Frauen jeden Alters. Die Schule solle ihren Schülerinnen helfen, besser in die Gesellschaft im mehrheitlich muslimischen und konservativen Land integriert zu werden, sagte Schulgründer Abdur Rahman Azad bei der Eröffnung in der Hauptstadt Dhaka am Freitag. 

Transgender-Frauen, also Frauen, die als Jungen geboren worden sind, heißen in Bangladesch und anderen Ländern Südasiens Hijras. Sie sind offiziell als drittes Geschlecht anerkannt, leben aber am Rande der Gesellschaft. Ihre Familien verstoßen sie oft, sie erhalten seltener Bildung und können meist nur wenige Jobs ausüben – etwa als Tänzerin bei Junggesellinnenabschieden, als Prostituierte oder als Bettlerin.

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Die Geschichte der Hijras in der Region ist lang. Vor einigen Hundert Jahren wurden Hijras im Mogulreich zum Schutz von Harems eingesetzt, weil man annahm, dass sie von Frauen nicht sexuell angezogen würden.

In der Islam-Schule werden etwa 150 Schülerinnen künftig  den Koran lesen und über den Islam lernen. Auch Bengalisch, Englisch und Mathe stehen auf dem Stundenplan. Zudem sollen sie eine Berufsbildung erhalten. Einer der zehn Lehrer der Schule, Abdul Aziz Hossaini, sagt: „Hijras sind auch ein Teil der Schöpfung Allahs, und wir haben eine moralische Pflicht, sie zu bilden.“ Die Schule wird für die Schülerinnen kostenlos sein.

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Die Regierung in Bangladesch erkennt seit 2013 Trans als eigenständiges Geschlecht an. Im kommenden Jahr wird bei einer landesweiten Volkszählung die Größe der Transgender-Minderheit im Land erhoben werden. In Bangladesch leben bis zu 1,5 Millionen Transgender im Land. 

Sexuelle Minderheiten werden in dem südasiatischen 168-Millionen-Einwohner-Land diskriminiert. Ein – selten angewandtes – Gesetz aus der Kolonialzeit belegt dort Geschlechtsverkehr zwischen Männern immer noch mit Haftstrafen.