Krankenschwestern kümmern sich im Hotel Venice  in der ukrainischen Hauptstadt Kiew um die Babys von Leihmüttern. Foto: Sergei Supinsky / AFP

Das Geschrei Dutzender Babys durchdringt das kleine Hotel Venice am Stadtrand von Kiew. Neugeborene Jungen und Mädchen liegen hier in ihren Bettchen - zur Welt gebracht von Leihmüttern. Wegen der Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie können sie nicht abgeholt werden.

Lebendig gewordene Kinderwünsche von Paaren, die aus vielerlei Gründen nicht selbst Nachwuchs bekommen. Ukrainische Frauen haben die Kinder der biologischen Eltern ausgetragen. Was etwa in Deutschland verboten ist, hat sich in der Ukraine – in nächster Nachbarschaft zur EU – zum Geschäft entwickelt. Das Business mit den Babys und dem Elternglück ruft auch Kritiker auf den Plan.

Vermögende Kunden können nicht mehr einreisen

„65 Neugeborene“, sagt Dmitri Lagodny etwas ratlos. Er managt das zur Kinderstation umfunktionierte Hotel, das hinter einer Mauer samt Stacheldraht und Kameraüberwachung steht. Die Flaggen Deutschlands, Chinas, Argentiniens, Frankreichs und Italiens wehen im Wind. Sie geben einen Hinweis darauf, woher die vermögenden Kunden kommen. China führt. Weil seit März in der früheren Sowjetrepublik Ukraine wegen der Corona-Pandemie die Grenzen dicht sind, kommen die leiblichen Eltern kaum noch ins Land, um ihre Kleinen abzuholen.

Dieses brasilianische Ehepaar hat es geschafft. Andrea Viez und ihr Ehemann halten ihren Sohn - geboren von einer Leihmutter. Foto: Sergei Supinsky / AFP

Auch deshalb wandte sich die Firma BioTexCom im Mai per Videobotschaft in mehreren Sprachen an die Öffentlichkeit. Der Appell sollte Druck auf die Behörden im Ausland machen, sich für eine Lösung einzusetzen, damit die Eltern reisen können. „Wir hoffen, dass die Lage sich bald entspannt, wenn bei uns der internationale Flugverkehr am 15. Juni wieder freigegeben wird“, sagt Firmenchef Albert Totschilowski.

15.000 Euro für die Leihmütter

Die Ukraine ist wegen ihrer liberalen Gesetze längst eines der Zentren für künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft in Europa. Das Komplettpaket von der Entnahme der Eizellen und Spermien, über die Befruchtung und die Verpflanzung in die Leihmutter bis zur Geburt kostet je nach Aufwand zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Die Leihmütter selbst erhalten etwa 15.000 Euro bei erfolgreicher Geburt. Hinzu kommen Kost und Logis und ein Taschengeld während der Schwangerschaft.

Nur wenige Eltern schaffen es bisher, mit Sonderflügen und Spezialgenehmigungen aus dem Ausland hierher zu kommen. Sie müssen nach der Landung selbst erst in Quarantäne für zwei Wochen, ehe sie zu ihrem Nachwuchs dürfen. Ende Mai landete ein Charterflug mit elf Paaren aus Argentinien. Sie nahmen die Kleinen diese Woche feierlich und mit Freudentränen bei einer Zeremonie in Empfang. „Wir sind sehr glücklich und feiern das Leben“, sagte die 46-Jährige Maddie. Mit ihrem Mann Ricardo habe sie zwölf Jahre versucht, ein Kind zu bekommen. Vor 23 Tagen wurde ihr Sohn Noah geboren.