Ein Emu schaut mürrisch in die Kamera. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Dass Gäste, die sich nicht zu benehmen wissen, in Lokalen, Kneipen oder Geschäften Hausverbot bekommen, ist nicht selten. In Corona-Zeiten könnte man nun denken, dass sich diese Geschichte nun um renitente Mundschutzverweigerer dreht – doch weit gefehlt: Ein Pub im australischen Outback verbietet nun Emus den Zutritt. Der Kampf mit den riesigen Laufvögeln hat in Down Under Tradition.

Die Emus hatten gelernt, die Treppen zum Restaurant des Yaraka Hotels im Südwesten Queenslands hochzusteigen. Dort bedienten sie sich hemmungslos und ungefragt auf den Tellern der Gäste – und verrichteten auch ihr Geschäft mitten im Lokal. Deshalb hat Pub-Besitzer Chris Gimblett den Eingang nun mit einer stabilen Kordel gesichert - die menschlichen Gäste sollen diese „Emu-Barriere“ hinter sich wieder verschließen, wie auf einem Schild zu lesen ist. „Emus ist der Zutritt wegen schlechten Benehmens verboten.“

Bei Chris Gimblett gilt: Emus müssen draußen bleiben. Foto: Chris Gimblett

Noch vor 90 Jahren wäre man wohl ganz anders mit den Laufvögeln umgegangen, die bis zu 40 Kilo schwer werden können. Im Jahr 1932 befand sich Australien sogar im „Krieg“ mit den Tieren. Die Regierung schickte drei Soldaten in den Bundesstaat Western Australia, um eine riesige Herde Emus – es soll sich um 20.000 Tiere gehandelt haben – von den Weizenfeldern der Region fernzuhalten.

Die Felder im sogenannten westaustralischen Weizengürtel wurden von Veteranen des 1. Weltkrieges bewirtschaftet, die sich im Rahmen eines Resozialisierungs- und Ansiedlungsprogramms dort niedergelassen hatten und vorrangig Weizen anbauten. Sie hatten es ohnehin nicht leicht, da der Weizenpreis infolge der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 stark sank. Als sich dann drei Jahre später rund 20.000 Emus in der Nähe der Felder ansiedelten und diese immer wieder auf der Suche nach Nahrung plünderten und zerstörten, sahen die Siedler ihre Existenzgrundlage bedroht. In einer Beschwerde bei der Regionalregierung forderten sie militärische Hilfe – möglichst mit Maschinengewehren. 

Und diese Bitte wurde tatsächlich erhört. Am 3. November schickte der australische Verteidigungsminister George Pearce drei Soldaten der 7. Schweren Batterie der „Royal Australian Artillery“ mit Maschinengewehren und 10.000 Schuss Munition in den westaustralischen Weizengürtel. Neben dem Schutz der Weizenfelder hatte die Mini-Armee zudem die Aufgabe, die Häute von 100 Emus zu beschaffen. Denn mit den Federn der Tiere wollte Pearce die Hüte der leichten Kavallerie ausstatten.

Die Emus waren keine leichte Beute

Australische Zeitungen schrieben damals vom „Emu War“, dem „Emu-Krieg“. Doch der „Krieg“ gegen die gefiederten Riesen war schwieriger als im Verteidigungsministerium erwartet. Denn die Tiere waren mit Spitzengeschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern nicht nur verdammt schnell, sie stellten sich auch als besonders zäh heraus. Viele Kugeln blieben einfach in der Fettschicht der Vögel stecken, ohne ihnen dabei Schaden zuzufügen. Trotz reichlich verschossener Munition konnten nur wenige Treffer gelandet werden. Rund ein Dutzend tote Tiere vermeldeten Major C. W. P. Meredith und seine Mini-Armee am ersten Tag des „Krieges“. 

Inzwischen ist Australien vom Erschießen der Emus abgerückt: Gut befestigte Zäune sollen es nun richten. Foto: AP/Leanne Byrne

Auch der zweite Tag lief nicht besser. Zwar war es den Soldaten gelungen, sich mit ihrem Maschinengewehr einem Herdenteil aus etwa 1000 Tieren zu nähern, doch als sie das Feuer eröffnen wollten, klemmte das Gewehr. Nur zwölf Vögel konnten Meredith und seine Männer erlegen, der Rest floh in alle Richtungen.

Eine richtige Erfolgsgeschichte für Australien wurde der „Emu-Krieg“ nie. Wohl auch, weil die Tiere schneller zu lernen schienen als die Menschen, die ihnen nach dem Leben trachteten. 20 Jahre nach den Ereignissen zitierte der „Sunday Herald“ aus einem Bericht der Armee: „Jedes Rudel scheint jetzt seinen eigenen Anführer zu haben: Einen großen, schwarzgefiederten Vogel, der sechs Fuß hoch steht und Wache hält, während seine Gefährten ihre Zerstörungsarbeit verrichten, und sie vor unserem Vorstoß warnt.“

Die Emus gelten als Sieger des „Krieges“

Nach reichlich Hohn aus der Opposition und Presseberichten, die das Unterfangen ins Lächerliche zogen, berief Verteidigungsminister Pearce seine Emu-Krieger zunächst wieder ab, ehe er ihnen einen zweiten, erfolgreicheren Versuch zugestand. Zwischen dem 15. November und dem 10. Dezember 1932 töten die drei Soldaten laut eigenen Angaben 986 Emus, weitere 2500 sollen an Verletzungen gestorben sein. Wobei sich das zu keinem Zeitpunkt nachweisen ließ.

Immer wieder riefen die Siedler in den Folgejahren nach militärischer Unterstützung gegen die Riesenvögel, doch die Regierung, der der Spott noch in den Ohren klang, lehnte ab. Denn es waren die Emus, die von der Presse, die zunehmend gar vom „Great Emu War“, dem „großen Emu-Krieg“ schrieb, zum Sieger der Auseinandersetzung erklärt wurden.

Heute sind die Laufvögel, die nur in Australien heimisch sind, eine geschützte Art. Und auch die Getreidefelder in Western Australia sind inzwischen sicher. Der State Barrier Fence, eigentlich einmal erbaut, um Kaninchen fernzuhalten, wurde über die Jahre zum Emu-Zaun hochgerüstet. Im Einzelfall tut es offenbar auch eine Kordel, wie Pub-Besitzer Chris Gimblett zeigt.