Ein Glas Limonade mit mehreren wiederverwendbaren Trinkhalmen aus Papier, Edelstahl, Hartplastik und Glas sowie einer als Trinkhalm verwendeten Nudel (2. v. l.) steht auf einem Tisch.  dpa/Christian Dittrich

Xylophobie. So lautet ein Fachwort für die Angst vor Holz im Mund, also wenn man es kaum erträgt, Eis-Stiele abzulecken, am Holzkochlöffel abzuschmecken oder den Gedanken an das kratzige Gefühl der Holzfasern auf der Zunge eklig findet. Seit in Deutschland das Plastiktrinkhalm-Verbot der EU greift, sehen sich nun „Xylophobe“ öfter mit ihren Ängsten konfrontiert. Denn in vielen Lokalen werden Alternativen zum Plastikhalm gereicht – oft aus Holz.

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Im Kampf gegen den Plastikmüll

Es geht um den Kampf gegen Plastikmüll. Abschied nehmen vom oft bunt gestreiften Plastikstrohhalm hieß es am 3. Juli, also vor etwa 100 Tagen. Die Halme fallen unter das europaweite Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln (festgelegt wurde dies in der EU-Richtlinie 2019/904 vom 5.6.2019). Einwegprodukte, die noch als Lagerbestände vorhanden sind, dürfen aber weiterhin verkauft und benutzt werden, weshalb die Neuregelung erst allmählich im Alltag spürbar wird. Klar, man kann auch einfach ohne Strohhalm trinken oder auf Alternativen aus Glas, Pappe oder Metall zurückgreifen. Doch auch da lauert für manche Ungemach. Oft gibt es jetzt auch Röhrennudeln zum Trinken - also Maccheroni (eingedeutscht: Makkaroni). Es besteht natürlich auch stets die Möglichkeit, sich gemäß dem eigenen Bedürfnis ein eigenes Exemplar in die Cocktailbar mitzunehmen.

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Plastikstrohhalme ade! Ab dem 3. Juli fallen diese Halme unter das europaweite Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln.

„Im Grunde genommen kann ein Mensch gegen alles eine Phobie entwickeln – je nach dem Ursprung der Ängste“, sagt die Münchner Psychologin Cornelia Lohmeier. Auch vor dem Kontakt mit Plastik gebe es Berührungsängste, weshalb sich die Frage der Phobie auch schon vorher gestellt habe. Insofern sei eine Zunahme der Problematik nicht unbedingt zu erwarten, meint die Expertin.

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Eine einfache Erklärung für die Entwicklung von Phobien gebe es nicht. Vielmehr seien die Ursachen individuell sehr verschieden. Phobien seien für die Betroffenen allerdings ein ernstzunehmendes Leiden, die das Alltagsleben erheblich erschweren können. Abgesehen davon, unangenehme Reize zu vermeiden, sei deshalb auf die Möglichkeit verwiesen, sich professionelle therapeutische Hilfe zu holen, betont Lohmeier.

Das Unternehmen Alpiplast in Südtirol gehört zu den größten Trinkhalmherstellern in Europa. Die Firma in Partschins nahe Meran und Bozen produziert seit 50 Jahren Trinkhalme und liefert sie in die ganze Welt. Hunderte Millionen Halme verlassen jährlich das Werk.

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Am Markt herrsche nach der EU-Verordnung komplettes Chaos

Eine Sprecherin teilt auf Nachfrage mit: „Im Moment herrscht komplettes Chaos am Markt, die EU-Verordnung zum Plastikverbot ist zwar in Kraft, allerdings haben die einzelnen Staaten es teilweise versäumt, ein eigenes Gesetz dazu zu erlassen.“ In Italien, Dänemark oder Belgien beispielsweise sei es erlaubt, biologisch abbaubare Trinkhalme zu benutzen. Deutschland und andere Länder erlaubten hingegen nur Papierhalme und keine biologisch abbaubaren Trinkhalme. Bei vielen Ländern gebe es noch gar keine Information dazu.

Das Bundesumweltministerium verteidigt seine strikte Linie, denn es sei „nicht sichergestellt“, dass sich als biologisch abbaubar zertifizierte Kunststoffe jenseits von speziellen Kompostanlagen, „insbesondere in Meeresgewässern“, tatsächlich abbauten.

Die biologischen Trinkhalme von Alpiplast werden nach Angaben des norditalienischen Unternehmens aus dem Holzbestandteil Lignin, Zuckerrohr mit PLA (Milchsäuremolekülen), Kaffeegranulat oder Bambuspulver hergestellt.

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Eine junge Frau trinkt durch einen Trinkhalm aus Bambus aus einem Glas. 

Deutschlands Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die die Bundesregierung in Fragen der Lebensmittelsicherheit wissenschaftlich berät, erläutert angesichts des Einwegplastik-Verbots, einer drastischen Maßnahme im Kampf gegen den Plastikmüll, die Alternativen zum Kunststoff. Gewarnt werden Verbraucher dabei vor allem vor Trinkhalmen aus echtem Stroh, da es dabei die Gefahr von Keimen oder Schimmelpilzgiften gebe.

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Was sind die Alternativen zu Plastikstrohhalmen?

Trinkhalme aus Silikon, Edelstahl oder Glas seien dagegen bei wiederholtem Gebrauch empfehlenswert, so das BfR auf seiner Website. „Metall sollte die Vorgaben der Europaratsresolution zu Metallen und Legierungen einhalten.“ Und Glas sollte natürlich bruchsicher sein. Bei Trinkhalmen aus Papier und Pappe werden Nassverfestigungsmittel zugesetzt, die ein Durchweichen verhindern. Rückstände dieser Stoffe, insbesondere Chlorpropanole, können dabei ins Lebensmittel übergehen.

Und was ist laut BfR mit Nudeln? „Soll ein Trinkhalm nur einmal verwendet werden, spricht gesundheitlich nichts gegen den Einsatz von Produkten aus Hartweizen (zum Beispiel rohen Makkaroni). Allerdings könnten sich die Nudeln insbesondere in warmen und heißen Getränken oder über einen längeren Zeitraum auflösen und damit unbrauchbar werden. Zudem könnten sie die Konsistenz und den Geschmack des Getränks verändern. Dabei sollten nur Nudeln aus industrieller Herstellung verwendet werden, die als Zutat kein Ei enthalten.“