Folien für die Haribo-Goldbären-Tüten stehen in der Haribo-Fabrik. Der Süßwarenhersteller Haribo schließt eine seiner bislang fünf Standorte in Deutschland. Foto: Caroline Seidel/dpa

Am Freitag letzte Woche schlug die Nachricht ein wie ein saurer Drops. Binnen fünf Minuten wurde den Mitarbeitern im sächsischen Haribo-Werk mitgeteilt, dass das Bärchen-Werk zum Ende des Jahres schließt.

„Sozialverträgliche Lösungen sollen angeboten werden - 500 km von Familie, Heimat und Freunden entfernt! Wer das nicht möchte, kann sich ja beim Arbeitsamt melden!“, schreiben die Enttäuschten in einer Online-Petition, die sich gegen die Entscheidung des Konzerns aus Bonn wendet. 8579 Unterstützer haben schon unterzeichnet, wollen dass das traditionsreiche Werk in Wilkau-Haßlau bei Zwickau weiter betrieben wird.

Gelatine-Elastik-Zuckerwaren für den Westen

Schließlich kennen sie sich hier aus mit Gummibären und Schaummäusen. Schon seit den 1960er Jahren werden in dem sächsischen Betrieb Gummibärchen & Co. hergestellt. "Gelatine-Elastik-Zuckerwaren" hießen die Leckereien, die häufig Mangelware in den Läden waren, offiziell in der DDR.

Ein guter Teil der Ost-Bären landete als namenlose Ware und als Haribo-Gummitierchen in Westtüten. Inhaltsstoffe und Qualität hätten die Ost-Gummibärchen von ihren Westkollegen kaum unterschieden, betont der stellvertretende Produktionsleiter Klaus Pörschmann. Zucker, Stärkesirup, Gelatine vom Schwein und Wasser waren und sind noch heute die Grundbestandteile.

1990 übernahm Haribo den Betrieb als 100-prozentige Tochter des Haribo-Konzerns.

Liebesperlen und Bonbons 

Auch Bonbons und Liebesperlen wurden nahe Zwickau hergestellt, später legte die Produktion von Gummibärchen und Lakritze einen süßlichen Duft über den Ort und das Werk. 150 Mitarbeiter stehen nun zum Ende des Jahres ohne Arbeit da. Sie wollen sich gegen die angekündigte Schließung wehren.

Bürgermeister Stefan Feustel hat seine dritte Amtszeit in Wilkau Hasslau.  Von einer Schließung wusste er nichts.  Foto: action press

Am Donnerstag will der Bürgermeister der Stadt gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sowie weiteren lokalen Akteuren beraten, wie der einzige Haribo-Standort im Osten erhalten werden kann. "Wir wollen verschiedene Kräfte sammeln und bündeln. Wenn wir gemeinsam aktiv werden, gibt es die Möglichkeit, das Werk zu retten", sagte Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner.

Haribo ist einer der letzten größeren Arbeitgeber in der Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern.

Das Familienunternehmen Haribo mit Hauptsitz in Bonn und bislang fünf Standorten in Deutschland will das ostdeutsche Werk schließen, weil es nicht mehr wirtschaftlich sein soll. Für das Werk wären "unverhältnismäßig hohe Investitionen" nötig, um die Produktionsabläufe auf die künftigen Anforderungen auszurichten, so der Süßwarenhersteller. (mit dpa)