Die Heinrich-Heine-Realschule in Hagen. Im Fall einer Schülerin, die aus Angst vor einer Corona-Infektion seit Wochenbeginn trotz Kälte auf Unterricht auf dem Schulhof besteht, zeichnet sich ein Kompromiss ab. dpa/Alex Talash

Dieser Fall schlägt Wellen und hat den Namen Yasmin zum meistgeteilten Hashtag auf Twitter gemacht: Es geht um eine Schülerin aus Hagen, die aus Angst vor einer Corona-Infektion seit Wochenbeginn trotz Kälte auf Unterricht auf dem Schulhof besteht. Die 13-Jährige ist Risikopatientin und befürchtet, sich in der Klasse mit ungeimpften Mitschülerinnen und Mitschülern anzustecken.

Mehrere Medien hatten über die Siebtklässlerin berichtet, die vorerkrankt sei und auch nach Dreifach-Impfung einen gemeinsamen Unterricht mit ungeimpften Schülern aus Angst vor einer Ansteckung verweigere.

Sie wolle auch ein Zeichen setzen und für mehr Impfungen werben. Die Schule hatte dem Mädchen Pult und Stuhl auf den Schulhof gestellt, wo es online am Unterricht teilnahm. Während der Pausen oder zum Aufwärmen nutzte die Schülerin einen freien Raum im Gebäude, wie ein Sprecher der Stadt Hagen schilderte.

Die Schule zeigte sich öffentlich solidarisch mit Yasmin und kritisierte das Jugendamt der Stadt Hagen öffentlich, das von „Inobhutnahme“ des Kindes gesprochen hatte.

Zahlreiche User solidarisierten sich mit Yasmin und zollten ihr Respekt für ihren Mut.

„Spagat-Situation“: Bezirksregierung will Kompromiss ermöglichen

Doch nun zeichnet sich ein Kompromiss ab. Das sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg am Donnerstag auf dpa-Anfrage nach einem Austausch mit der Leitung der Realschule. Die 13-Jährige solle nun in einem separaten Raum innerhalb des Schulgebäudes online am Unterricht teilnehmen. Man habe durchaus auch Verständnis für die Sorgen des Kindes. Es handele sich um eine „gewisse Spagat-Situation“. Das Mädchen sei Risikopatientin.

Das Jugendamt habe aus Sorge um die Gesundheit eine Stellungnahme des schulpsychologischen Dienstes angeregt, damit der Schule eine Grundlage gegeben wird, Distanzunterricht zu ermöglichen, sagte Stadtsprecher Michael Kaub. Eine längerfristige Unterrichtung auf dem Schulhof werfe angesichts der Jahreszeit die Frage „nach dem Gesundheitsschutz und dem Kindeswohl“ auf. Man stehe in Kontakt mit der Familie, die sich kooperationsbereit zeige. Die Realschule twitterte, die Schülerin sei „ein sehr reflektierter junger Mensch und möchte auf Missstände rund um die schulischen Corona-Maßnahmen hinweisen“. Im Netz schlug der Fall hohe Wellen.

Landesschülervertretung: „Armutszeugnis, dass es eine solche Aktion braucht“

Der Sprecher der Bezirksregierung betonte, das Recht auf schulische Bildung sei auch in Pandemie-Zeiten auf „vertretbare, angemessene und vernünftige Art und Weise“ umzusetzen. „Man wird das eng begleiten müssen – mit Sorgfalt, Verständnis, aber auch Konsequenz“, erläuterte Christoph Söbbeler.

Die Landesschülervertretung NRW kann den Protest des Mädchens gut nachvollziehen. „Es ist aber zugleich ein Armutszeugnis, dass es eine solche Aktion braucht“, sagte Johanna Börgermann vom LSV-Vorstand. Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen müsse es Wechselunterricht geben – und zudem endlich dafür gesorgt werden, dass Online-Unterricht auch zu Hause funktioniere.