Dieses Bild der ISS mit der Erde im Hintergrund wurde kurz nach dem Abdocken der Raumfähre „Atlantis“ vom Außenposten in der Umlaufbahn aufgenommen. NASA/dpa

450 Tonnen wiegt der Koloss ISS, der in etwa 400 Kilometern Flughöhe um die Erde kreist. Der Aufenthalt auf der Raumstation mag für die Astronauten spektakulär sein, gemütlich ist er nicht: Beim Keksebacken muss man ewig warten, Unterwäsche ist Mangelware und es müffelt mächtig. Eine Auswahl besonderer Fakten.

Wussten Sie, dass …

… die ISS das wohl teuerste bisher von Menschenhand geschaffene Objekt ist?

Weit über 100 Milliarden oder gar 150 Milliarden Dollar sind nach Schätzungen in das Projekt ISS geflossen, die US-Raumfahrtagentur Nasa gibt dazu keine Angaben heraus. Oftmals werden von beteiligten Agenturen lediglich die Hardware-Kosten angegeben, ohne die Ausgaben für Astronauten, Experimente und andere Bereiche. Deutschland kostet der Unterhalt der ISS derzeit etwa 160 Millionen Euro jährlich, bei geschätzten Gesamtkosten der Station von wohl bis zu sechs Milliarden Dollar pro Jahr.

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… auf der ISS nicht wegen ihrer Flughöhe Schwerelosigkeit herrscht?

Die Anziehungskraft der Erde ist in 400 Kilometern Höhe noch fast genauso groß wie auf der Erde. Der Grund für die Schwerelosigkeit an Bord ist, dass die ISS samt Astronauten eigentlich nicht fliegt, sondern andauernd fällt, in einem großen Kreis um die Erde herum.

… es auf der ISS nicht gut riecht und alles andere als still ist?

„Das Lüftungssystem ist sehr laut“, sagte der Astronaut Alexander Gerst einmal. Luftaustausch findet in der Schwerelosigkeit nur statt, wenn man ihn durch Ventilatoren herstellt – entsprechend viele gibt es in dem riesigen Gebilde. Hinzu kommen Pumpen, Kompressoren, Bordelektronik, Hardware. Damit ist es etwa so laut wie an einer stark befahrenen Straße. Zum Geruch der ISS schrieb der frühere US-Astronaut Scott Kelly, der fast ein Jahr auf der ISS zubrachte, in seinem Buch „Endurance“, dass es vor allem nach den Ausgasungen der Geräte rieche. Hinzu komme Körpergeruch und der des Abfalls, der zwar möglichst hermetisch isoliert, aber nur alle paar Monate entsorgt werde. Der Weltraum wiederum riecht demnach nach verbranntem Metall – wie Wunderkerzen oder als ob etwas geschweißt werde.

… Dinge wie Löffel auf der ISS gern mal für Wochen oder gar für immer unauffindbar sind?

In der Schwerelosigkeit geht nach Erzählungen von Astronauten sehr schnell mal etwas verloren, das nur kurz in der Schwerelosigkeit „abgestellt“ wurde. „Die Raumstation ist ja so voll mit Ausrüstung, das versteckt sich da irgendwo und zwei Tage später findet man’s“, erzählte der deutsche Astronaut Alexander Gerst. „Bringt einen dann auch nicht mehr weiter, wenn es der Kaffee war.“

Matthias Maurer, deutscher Astronaut, startet mit der Mission „Cosmic Kiss“ zur Internationalen Raumstation ISS. Rolf Vennenbernd/dpa

… die Zeit auf der ISS langsamer vergeht?

Fachleute nennen den auf Einsteins Relativitätstheorie zurückgehenden Effekt Zwillingsparadoxon. Bei der ISS gibt es ein reales Beispiel: Der US-Astronaut Scott Kelly verbrachte fast ein ganzes Jahr auf der ISS, sein Zwillingsbruder blieb am Boden. Dem Gedankenexperiment zufolge durchlebte Scott Kelly bei seiner Bewegung durchs All Bruchteile von Sekunden weniger als sein Bruder Mark auf der Erde.

… die ISS nicht wie ein Hochglanzraumschiff, sondern eher wie eine arg ramponierte Konservendose aussieht?

Auf die Station prasseln seit vielen Jahren Mikrometeoriten und winziger Weltraumschrott ein, entsprechend zerdellt ist ihre Oberfläche. Größeren Teilen weicht die Station gezielt aus.

… gefährliche Lecks in der ISS-Außenhülle schon mal mit schwebenden Teebeuteln gesucht werden?

Im vergangenen Jahr registrierten Astronauten eine undichte Stelle an einem Übergang zum Modul „Swesda“. Um das Leck aufzuspüren, ließen sie einen Teebeutel los, der in der Schwerelosigkeit zu der undichten Stelle schwebte.

… Astronauten vorm Start zur ISS gerne mal an einen Bus pullern, so sie von Kasachstan aus starten?

Bevor Raumfahrer dort in die Rakete klettern, zelebrieren sie Riten und Bräuche der russischen Raumfahrt – und dazu soll gehören, auf dem Weg zur Startrampe an den Reifen des Busses zu urinieren. Das geht angeblich auf den Raumfahrtpionier Juri Gagarin zurück, der demnach vor dem ersten Flug am russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Zentralasien schnell noch Wasser lassen musste.

… die Menschen auf der ISS 16 Sonnenaufgänge (und Untergänge) pro Tag erleben können?

Allerdings dauern sie für den Beobachter wesentlich kürzer als auf der Erde. Die ISS umrundet die Erde in jeweils 90 Minuten – also 16-mal täglich.

… ISS-Raumfahrer ständig eine Schnupfennase haben?

Auf der Erde fließt die Flüssigkeit der Nasenschleimhäute meist unbemerkt und automatisch in den Rachen – nicht so in der Schwerelosigkeit. Zudem verlagert sich das Wasser in den Organen, die Nasenschleimhäute schwellen an. Betroffen ist übrigens nicht nur die Nase: Das ganze Gesicht ist aufgedunsen – die Beine hingegen sind dünner.

… das Pipi von gestern auf der ISS zum Kaffee von heute wird?

Weil es viel zu teuer wäre, regelmäßig Wasser zur Raumstation zu schicken, müssen Astronauten und Kosmonauten aufbereitetes Wasser trinken – aus recyceltem Urin und Schweiß der Besatzung. Angeblich soll das Trinkwasser genauso schmecken wie auf der Erde.

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… Astronauten einen Trick parat haben, wenn ihnen im Raumanzug beim Außeneinsatz die Nase juckt?

Sie nutzen das sogenannte Valsalva-Gerät, das vor allem dem Druckausgleich dient. Es handelt sich dabei um ein Schaumstoffgebilde, mit dem sich die Nasenlöcher verschließen lassen – aber eben auch die Nase rubbeln lässt.

… schon mal fast ein Mensch im Weltall ertrunken ist?

Bei einem Außeneinsatz des Italieners Luca Parmitano sammelte sich 2013 immer mehr Wasser in seinem Helm. Er konnte kaum noch sehen und hören, schaffte es aber noch knapp in die Station zurück.

… Astronauten anders als in vielen Filmen oft nicht waagerecht durch die Raumstation schweben, sondern meist senkrecht?

Seitlich durch die Station zu schweben sei viel angenehmer als mit dem Kopf voraus, erklärte der Astronaut Alexander Gerst. Die Erfahrung eines Astronauten könne man an seiner Bewegung ablesen. „Alte Hasen schweben vertikal, Neulinge horizontal.“

… ein Astronaut beim Trainieren auf dem Laufband gern mal mehrere Zehntausend Kilometer vorankommt?

Schließlich ist die ISS mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde unterwegs. „Gerade eben 16.300 km auf dem Laufband gelaufen (35 Min. mit 28.000 km/h)“, twittere der Astronaut Alexander Gerst im Oktober 2014 über das Training auf der ISS.

… Astronauten nur alle zwei bis drei Tage eine neue Unterhose anziehen?

Socken, Hosen und T-Shirts werden noch viel länger getragen. Es gibt keine Weltraumwaschmaschine, ohnehin ist jeder Tropfen Wasser auf der ISS kostbar. Jedes Teil kann also nur einmal getragen werden - deshalb ist Sparsamkeit beim Klamottenwechsel Pflicht.

... verglühende Schlüpfer als Sternschnuppe am Nachthimmel zu sehen sein können?

Sämtliche gebrauchte Wäsche wird zusammen mit anderem Müll sowie vakuumgetrockneten Fäkalien regelmäßig in Kapseln verfrachtet, die zum Absturz gebracht werden und dabei verglühen. „Nicht jede Sternschnuppe ist romantisch“, kommentierte Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum-Forum (ÖWF) einmal.

… auch volle Windeln Teil einer solchen Sternschnuppe sein können?

Bei Weltraum-Ausflügen ziehen Astronauten sich unter den Raumanzug eine besonders saugstarke Windel an – bei den oft viele Stunden dauernden Einsätzen ist ein Gang aufs Klo ausgeschlossen. Auch beim Flug zur ISS mit der Sojus tragen Astro- und Kosmonauten eine Windel unterm Raumanzug, unter anderem wegen der Druckbelastung beim Start.

… die Nasa keine Bilder von den Unterhosen und BHs herausgibt, die Astronauten und Astronautinnen tragen?

„Das ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich“, hieß es von der Nasa auf eine entsprechende Anfrage.

… die wohl teuerste Kaffee-Portion der Welt auf der ISS serviert wurde?

ISSpresso heißt das Gerät, das die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti aufstellte und testete. Eigens entwickelt wurde auch das Tässchen dafür. „Die Maschine hat mehr als eine Million Dollar verschlungen, die Zertifizierung für die Flugtauglichkeit und die Transportkosten eingerechnet; wir haben aber nur zehn Päckchen Espresso an Bord, sodass Samanthas Getränk eine äußerst teure Tasse Kaffee ist – durchaus einer historischen Erwähnung wert“, schreibt der frühere US-Astronaut Scott Kelly in seinem Buch „Endurance“.

… auf der ISS schon Kekse gebacken wurden?

Die Schokoladenkekse im ISS-Backofen brauchten deutlich länger als auf der Erde – erst nach mehr als zwei Stunden entstand bei den Tests ein durchgebackener Keks. Es duftete wohl wunderbar, zum Essen waren die ersten fünf Kekse der ISS aber nicht gedacht – an ihnen wurde auf der Erde weiter geforscht.

… Astronauten die wohl bestbezahlten Putzfrauen der Welt sind?

Die Arbeitsstunde eines ISS-Astronauten kostet laut Raumfahrtagentur Esa rund 30.000 Euro – und es wird sehr viel geputzt auf der ISS mit ihren rund 1200 Kubikmetern Rauminhalt. In der Schwerelosigkeit sammeln sich rasch Staub, Krümel, Hautschuppen und Feuchtigkeit – ein idealer Nährboden für Mikroorganismen. Die russische Raumstation Mir musste einst auch wegen des massiven Befalls mit Mikroben, die Kabel, Stecker und selbst Apparaturen aus Metall anfraßen, zum Absturz gebracht werden. „Raumstationen sind wie große, komplizierte Gebäude, die ständige Pflege und Aufmerksamkeit erfordern. Sehr viel Zeit wird daher auf Routineaufgaben wie Reinigungs- und Reparaturarbeiten verwendet“, heißt es von der Esa.

… jedes ISS-Crewmitglied nicht nur Versuche durchführt, sondern auch selbst Versuchskaninchen ist?

Forschende wollen erkunden, welche gesundheitlichen Probleme bei Reisen in den Weltraum auftreten und wie sie zu behandeln sind. Typisch sind etwa Muskelschwund, Augenschäden und verringerte Knochendichte. Zudem haben ISS-Astronauten eine Körpertemperatur von etwa 38 Grad, also eine Art Dauerfieber. Bei sportlicher Aktivität steigt die Temperatur sogar häufig auf mehr als 40 Grad, weil der Körper überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswerden kann.

… Astronauten nach der Rückkehr auf die Erde nicht aus Gewohnheit Gläser in die Luft stellen?

Raumfahrer platzierten Dinge nicht in die vermeintliche Schwerelosigkeit, sondern klammerten sich im Gegenteil besonders stark an allem fest, erklärte der Astronaut Alexander Gerst einmal. Auf der ISS schwebe sonst alles weg. „Wenn man einen Stift in der Hand hat, eine Schere und ein Tape, dann steckt man sich die zwischen die Finger – und daran gewöhnt man sich.“ Diese Gewohnheit sitze auch nach der Rückkehr noch eine Weile. „Daran kann man Astronauten erkennen: Sie sitzen da mit zwei Stiften, einem Löffel und dem Kaffeebecher in der Hand, weil sie nicht gewohnt sind, dass sie etwas mal hinstellen können. So rum ist das.“