Auf der Wand eines Jugendzentrums in Hanau stehen die Namen der Opfer des rassistischen Terroranschlags aus dem Februar. Foto: dpa/Boris Roessler

Fast zehn Monate ist es her, dass Tobias R. in Hanau aus rassistischen Motiven erst neun Menschen mit Migrationsgeschichte tötete, ehe er seiner Mutter und sich selbst das Leben nahm. Der 73 Jahre alte Vater des rechtsextremen Terroristen wurde kurz nach der Tat festgenommen und kam kurzzeitig in psychiatrische Behandlung. Da sich aber keine Anhaltspunkte für eine Verwicklung in die Tat seines Sohnes finden ließen, wurde er wieder freigelassen. Doch ideologisch war der 73-Jährige offenbar sehr wohl auf einer Linie mit seinem Terroristen-Sohn, wie ein Bericht des Spiegel nun darlegt.

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Dem Magazin liegen offenbar Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass Tobias R.s Vater genau wie sein Sohn Verfolgungsphantasien und ein rassistisches Weltbild artikulierte. So forderte der Mann, dass sämtliche Gedenkstätte, die an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar erinnern, entfernt werden, da er darin „Volksverhetzung“ sehe. Zudem fordere er die Tatwaffen seines Sohnes zurück und soll die Freischaltung der gesperrten Internetseiten fordern.

Der Vater von Tobias R. soll zudem ähnliche Verfolgungsphantasien geäußert haben wie sein Sohn, berichtet das Magazin weiter. So soll er in seiner Vernehmung behauptet haben, dass Tobias R. Opfer einer weltweit agierenden Geheimdienstorganisation geworden sei. Die hätten seinen Sohn getötet und die Leiche im Elternhaus abgelegt, während ein verkleideter Agent die Morde begangen habe. Wie der Spiegel weiter berichtet, sei es nicht das erste Mal, dass Vater und Sohn diese Verfolgungsphantasien artikulieren. Bereits 2004 hatten sie demnach gemeinsam Anzeige gegen einen unbekannten Geheimdienst erstattet.

Und auch in Sachen Rassismus sind sich Tobias R. und sein Vater offenbar sehr ähnlich. Das Magazin berichtet von einer Szene in einem Hanauer Bürgerbüro im März 2017, als R. Senior einen deutschen Mitarbeiter verlangte. Zudem soll er  einen Antrag auf einen Schutzhund gestellt haben, um sich gegen Ausländer zu schützen.

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Nach dem rechtsextremen Terroranschlag seines Sohnes soll er mit wirren Anschuldigungen versucht haben, rechtlich gegen den SEK-Einsatz in seinem Haus und seine vorläufige Inhaftierung vorzugehen, berichtet das Magazin. Zudem soll er in seinen Schreiben immer wieder Tatsachen bewusst verdrehen und die Opfer des rassistischen Terroranschlags seines Sohnes als „Täter“ bezeichnen.

Auf die Anfrage des Spiegel, ob die Behörden aufgrund dieses Sachstandes Anhaltspunkte dafür sehen, dass von der Person des Vaters eine Gefahr ausgeht, haben laut dem Magazin der Generalbundesanwalt und die Staatsanwaltschaft Hanau an die Polizei verwiesen. Eine Stellungnahme von dort stand noch aus.