Das Kohlekraftwerk in Boxberg in der Lausitz. Durch das Verbrennen von Kohle entsteht Feinstaub. Foto: Imago-Images/Florian Gärtner

Seit das neuartige Coronavirus im Winter in China auf den Menschen übergesprungen ist und sich von dort über die ganze Welt verbreitete, stehen Wissenschaftler vor vielen Rätseln. Eines davon ist, warum das Virus Menschen so unterschiedlich hart trifft. Auf diese Frage gibt es bereits einige Teilantworten. Der Kardiologe Thomas Münzel von der Universität in Mainz fügt diesem Puzzle in einen Interview mit dem Spiegel nun ein weiteres Teil hinzu: Die Feinstaubbelastung. 

In dem Interview stellt der Mediziner die Verbindung zwischen der Krankheit Covid-19 und der Feinstaubbelastung her. „Sowohl Feinstaub als auch das Virus greifen das Endothel, also die Auskleidung der Blutgefäße, jeweils an und verursachen Entzündungen“, sagte Münzel dem „Spiegel“. Kämen eine lange Belastung durch Luftverschmutzung und eine Infektion mit dem Coronavirus zusammen, hätte man „einen additiven schädlichen Gesundheitseffekt, mit einer größeren Anfälligkeit für Covid-19.“

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Zudem könne verunreinigte Luft auch die Verbreitung des Virus selbst verstärken, da der Feinstaub das Virus transportiere. In Italien sei die RNA des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 in Feinstaubproben nachgewiesen worden, so Münzel, der auf eine Studie verweist, die er und sein Team in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“ veröffentlicht hatten. Diese besagt, dass „etwa 15 Prozent der Covid-19-Toten auf das Konto von Luftverschmutzung gehen“.

Weniger Feinstaub könnte Covid-Patienten helfen

Das bedeutet: Ein entschlossenes Vorgehen gegen Luftverschmutzung könnte also auch im Kampf gegen die Covid-19-Sterblichkeit helfen. Doch Münzel weist im Interview darauf hin, dass Feinstaub auch ohne das Coronavirus bereits eine große Gefahr für die Gesundheit darstelle. So seien nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Chemie rund 8,8 Millionen verfrühte Todesfälle im Jahr auf Feinstaub zurückzuführen – mehr als durch rauchen.

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Münzel fordert in Sachen Feinstaub eine Reaktion der Politik. Er fordert gegenüber dem Magazin, dass niedrigere Grenzwerte veranschlagt werden als die, die bislang gelten. Einhalten könnte man die durch den Ausstieg aus fossilen Energien. Die schnelle Reaktion der Politik auf die Corona-Pandemie führt er darauf zurück, dass das Virus unmittelbar tötet, Feinstaub hingegen im Verborgenen.