Manchmal sind Aprilscherze gar keine. Imago/sepp spiegl

Gerade beginnt wieder ihre Hochsaison. Gemeint sind die mehr oder weniger originellen Geschichten, die pünktlich vor oder zum 1. April die Runde machen. Zu sehen oder zu lesen sind sie in sozialen Medien, Zeitungen und sogar in offiziellen Firmen- oder Behördenmitteilungen.

Eines haben alle diese Geschichten gemeinsam. Sie sind ausgedacht, sollen uns reinlegen und in den sprichwörtlichen April schicken. Das Ganze sorgt allerdings für eine Gefahr: Spätestens ab 25. März nehmen hartgesottene Skeptiker keine Geschichte mehr ernst, sondern glauben grundsätzlich und immer daran, dass sie veralbert werden sollen.

So wurden viele Nachrichten und Geschichten mit dem Stempel „Aprilscherz“ versehen, die gar keine waren.  Wir haben sieben Beispiele für Sie.

1. Til Schweiger und der „Tatort“-Vorspann

Es war am 29. März 2012, als Krimi-Fans das Lachen im Hals stecken blieb. Der damals neue „Tatort“-Kommissar Til Schweiger erklärt, dass er sich vom legendären Vorspann des Krimis verabschieden will. „Der ist jetzt wirklich outdated“, sagt er. „Und da werde ich für kämpfen, dass bei meinem ersten Tatort ein anderer Vorspann läuft.“ Alle glauben an einen Witz – und irren sich. Als das klar wird, ist die Aufregung groß. Schweiger muss zurückrudern, der Kult-Vorspann bleibt.

Til Schweiger dpa/Christian Charisius

2. Frauen als katholische Priester?

Kurz vor dem 1. April 2020 sorgt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn erst für viel Aufmerksamkeit. Dann glauben alle an einen Scherz. War es aber gar nicht. Es war ein Irrtum.

Aber der Reihe nach: Die Uni schreibt damals eine Professur für die „Exegese des Neuen Testaments“ aus. „Die Professur wird mit einem Priester besetzt“, heißt es in der Stellenanzeige. Dabei würden „einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung“ aufgefordert. Da rieben sich alle ungläubig die Augen: weibliche Priester? Aber die Männerdomäne geriet nicht ins Wanken.

Ein Mitarbeiter hatte versehentlich einen falschen Textbaustein eingefügt. Es folgte die Korrektur und die Erkenntnis: Katholische Priester bleiben männlich.

3. Fahndung nach Rapper Bushido

Die Fahndung nach einem Raubüberfall in Buxtehude bei Hamburg sorgt Ende März 2017 für Heiterkeit. Denn der bärtige Mann mit Basecap sieht exakt aus wie Rapper Bushido. Der bedankt sich via Instagram sogar „für den Style Tipp“ und glaubt an einen Scherz. War es aber nicht, beteuert ein Polizeisprecher. Es stellt sich heraus: Als Grundlage für die Zeichnung benutzte die Behörde wirklich ein Foto des Musikers.

Hans-Georg Maaßen dpa/Martin Schutt

4. Maaßen tritt an – und verliert

Tatsächlich wird ausgerechnet am 1. April 2021 bekannt, dass ein Thüringer Kreisverband den umstrittenen früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen als CDU-Bundestagskandidaten nominieren will. „Den mit Abstand besten Aprilscherz“, nennt das Vorstandsmitglied Serap Güler. War aber ernst gemeint. Maaßen tritt an, sorgt aber dafür, dass dessen CDU in dem Wahlkreis mehr als zehn Prozentpunkte verliert. Das Mandat gewinnt die SPD.

5. Zeitungsente mit Schiffbruch

Am gleichen Tag, also dem 1. April 2021, berichten CNN und BBC über einen vermeintlich kuriosen Fall aus der Schweiz: Dort dürften Soldatinnen endlich Damenunterwäsche tragen, hieß es. Das war kein geplanter Aprilscherz, aber trotzdem Blödsinn, klärt Armeesprecher Kaj-Gunnar Sievert auf. Es sei neue Funktionswäsche getestet worden. Frauenunterwäsche habe es aber auch bei vorherigen Beschaffungen schon gegeben, betont der Sprecher.

Pappfiguren im Stadion Borussia-Park in Mönchengladbach AFP-Pool/Ina Fassbender

6. Zeiten ändern sich

An einen Scherz glaubten auch am 30. März 2020 die meisten, als sie lasen, dass die Fans von Borussia-Mönchengladbach „für eine bessere Stimmung bei Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga und um Profis wie TV-Zuschauern den Blick auf leere Stadion-Plätze zu ersparen“, Pappfiguren mit dem Konterfei der Fußball-Fans in Lebensgröße aufstellen wollen. Die Aktion wird anschließend ein voller Erfolg. Schon Wochen später stehen 20.000 Pappkameraden auf den Tribünen.

Steven Green stellt in seiner Gin-Destillerie in Nord-Yorkshire Handdesinfektionsmittel her. dpa/Danny Lawson

7. Skurrile Partner

Ebenfalls die Pandemie beeinflusste auch diese Geschichte vom 30. März 2020: Dem Bericht nach ließ sich die Polizei von Spirituosenherstellern beliefern und Krankenhäuser würden von einem Fetisch-Laden ausgestattet. Kein Unsinn! Corona hat wirklich unglaubliche Nachrichten hervorgebracht.

Als Scotland Yard Ende März 2020 eine Zusammenarbeit mit Brauereien und Gin-Destillerien ankündigt, halten das viele für einen Aprilscherz. Tatsächlich aber schließt die Polizei in London wegen Engpässen an Desinfektionsmitteln Lieferverträge mit der Alkoholindustrie. Und ein Online-Händler für Fetischisten spendet wirklich alle vorrätigen Wegwerf-OP-Kittel an ein britisches Krankenhaus.