Attila Hildmann wird mit Haftbefehl gesucht. imago/Christian Thiel

Attila Hildmann ist geflüchtet. In der Türkei versteckt er sich vor den deutschen Behörden. Er wird per Haftbefehl gesucht.

Nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung geht die Berliner Justiz mittlerweile von mehr als 80 Straftaten aus, die dem ehemaligen Koch und Imbissbetreiber zur Last gelegt werden. Damit hat sich die Zahl noch einmal erhöht. Unter anderem sollen inzwischen vier Mobiltelefone ausgewertet worden sein. Dabei sind die Ermittler offenbar auf zahlreiche gespeicherte antisemitische Fotos und Texte gestoßen. Mehrere sichergestellte Computer seien noch gar nicht vollständig ausgewertet worden, hieß es.

Bei den Ermittlungen gegen den Verschwörungserzähler wegen Volksverhetzung ist deshalb kein Ende abzusehen. Es kämen sogar neue Verdachtsfälle durch aktuelle Äußerungen im Internet hinzu, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft auf Anfrage. „Das bleibt nicht ungesehen.“

Erst im Mai bekannte Attila Hildmann: „Ich bin Nationalsozialist“. imago/Stefan Zeitz

Hunderte Äußerungen werden geprüft

Die Anklagebehörde ermittelt seit Monaten. Dabei geht es auch um den Verdacht der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Es würden Hunderte Äußerungen überprüft, viele davon im Internet.

Ein Haftbefehl gegen Hildmann kann derzeit nicht vollstreckt werden, denn er hält sich immer noch in der Türkei auf. Der 40-Jährige hat laut Staatsanwaltschaft neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft. Hildmann hat sich laut Anklagebehörde „geraume Zeit“ vor Erlass des Haftbefehls ins Ausland abgesetzt. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Weitergabe von Informationen aus den eigenen Reihen und der Flucht.

Früher als veganer Kochbuchautor und Fitness-Guru bekannt, nennt Hildmann sich inzwischen selbst „ultrarechts“ und einen Verschwörungsprediger. Er trat bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf. Seine Äußerungen lösten Kritik und Entsetzen aus – etwa bei seinem Kochbuch-Verlag, der die verlegerische Zusammenarbeit schon vor Jahren einstellte.

Attila Hildmann: „Ich bin Nationalsozialist“

Seit dem Sommer 2020 fiel Hildmann auf dem Internetkanal Telegram mit immer unverhohlenerem Judenhass auf. Er postete wiederholt Hakenkreuze, leugnete den Holocaust und überzog Personen des öffentlichen Lebens mit antisemitischen Schmähungen. „Ich bin Nationalsozialist“, schrieb er im Mai dieses Jahres.

Eine mögliche Anklage dürfte indes ungewiss sein. Selbst wenn die Ermittlungen darauf hinausliefen, müsste der Verdächtige nach Justizangaben zuvor „rechtliches Gehör“ bekommen. Es sei ein Grundrecht, zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu können. Im Fall von Hildmann wird nicht mit einer baldigen Rückkehr nach Deutschland gerechnet.

Die Ermittlungen gegen ihn wurden wegen einer effektiven Strafverfolgung in Berlin gebündelt. Mehrere Ermittlungsverfahren aus Brandenburg waren an die Behörde in der Hauptstadt übergeben worden.