Blick auf den Eingang zum Hotel Westin Leipzig. dpa/Hendrik Schmidt

Die Vorwürfe wiegen schwer: Mitarbeiter eines Hotels der Marriott-Kette in Leipzig sollen den Rockmusiker Gil Ofarim antisemitisch beleidigt und gedemütigt haben. Nach dem Vorfall vom Montagabend hat die Staatsanwaltschaft Leipzig die Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. In einem Instagram-Video, das Gil Ofarim am Abend des mutmaßlichen Übergriffs vor dem Hoteleingang aufgezeichnet hatte, beschuldigte er einen Manager namens „Herrn W.“ und nannte einen weiteren Mitarbeiter. Der Staatsanwaltschaft sind die Identitäten der Mitarbeiter offenbar bekannt. Gegen die beschuldigten Hotelmitarbeiter lägen keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten vor, teilte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch auf Anfrage mit.

Ofarim hatte in dem Instagram-Video berichtet, beim Einchecken in das Hotel „The Westin Leipzig“ von Mitarbeitern nicht berücksichtigt worden zu sein. Er erzählte, wie er sich in eine Schlange eingereiht habe. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Mitarbeiter habe geantwortet: „Um die Schlange zu entzerren“, dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe „irgendeiner aus der Ecke“ gerufen, dass er seinen Davidstern, den er an einer Kette trug, einpacken solle. Auch der Hotelmitarbeiter habe gesagt: „Packen Sie Ihren Stern ein.“

Verleumdungs-Klage gegen Ofarim  – Sänger erneuert Vorwürfe

Nachdem der betroffene Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung gegen den Musiker erstattet habe, würden die gegenseitigen Vorwürfe nun geprüft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aussagen unbeteiligter Dritter oder sonstige Beweismittel zu dem Vorgang lägen der Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor. Wie lange die Ermittlungen andauern, könne momentan nicht eingeschätzt werden.

Inzwischen hat der Sänger die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. In einem Welt-Interview gibt sich Ofarim „fassungslos, sprachlos, aber nicht überrascht“. Es sei nicht das erste Mal, dass ihm so etwas passiere. Er habe in der Situation vor dem Hotel-Counter Zivilcourage von Anwesenden vermisst. Dem Spiegel sagte Ofarim: „Wenn man den Mund aufmacht, macht man sich zur Zielscheibe.“