Demonstranten versammelten sich vor dem Westin Hotel in Leipzig, um Solidarität mit jüdischen Menschen in Deutschland zu zeigen. dpa/Dirk Knofe

Es bedarf Mut, antisemitische Übergriffe als Betroffener öffentlich zu machen. Diesen Mut hat Gil Ofarim bewiesen, als er am Montagabend ein Video auf Instagram hochlud, in dem er schildert, was ihm im Leipziger Westin-Hotel widerfahren ist. Dieses Video ging viral, erreichte die internationale Presse und zwang das Hotel, das zur Marriott-Gruppe gehört, nun zu internen Ermittlungen.

Antisemitismus-Vorfall in Leipzig: Mitarbeiter beurlaubt

Bereits am Dienstagmittag bemühte man sich in der Presse-Abteilung der Marriott-Gruppe gegenüber dem KURIER zu signalisieren, dass man den Vorfall ernst nehme, dass man es nicht stehen lassen wolle, wenn ein Mitarbeiter einen Gast auffordert, seinen Davidstern abzunehmen. Nun wurden – zumindest vorübergehend – erste personelle Konsequenzen gezogen. Eine Sprecherin teilte am Mittwochmorgen mit, dass zwei Mitarbeiter beurlaubt wurden. Das gelte für die Dauer der Ermittlungen.

In diese ist inzwischen auch die Leipziger Polizei eingeschaltet. Die wolle nach eigener Aussage die Unterlagen noch am Mittwoch der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorlegen. Zudem erwägt Gil Ofarim offenbar auch seinerseits Strafanzeige zu stellen, wie sein Management mitteilte. Er müsse die Vorkommnisse aber zunächst einmal verdauen.

Um Solidarität mit Gil Ofarim und anderen Betroffenen von Antisemitismus zu zeigen, versammelten sich am Dienstagabend hunderte Menschen vor dem Hotel. Darunter waren auch zahlreiche Menschen der Initiative „Leipzig nimmt Platz“, dass sich vor über zehn Jahren gegründet hatte, um Naziaufmärsche in Leipzig und Sachsen zu blockieren.

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Hunderte Menschen versammelten sich vor dem Westin Hotel in Leipzig. dpa/Dirk Knofe

Hotel mit sehr verunglückter Soli-Aktion

Während der Kundgebung stellten sich auch zahlreiche Hotel-Mitarbeiter mit einem Banner vor das Hotel, dass neben dem Schriftzug „The Westin Leipzig“ Flaggen des Staates Israel, sowie den Hilal, die muslimische Mondsichel, zeigt. Diese Aktion sorgte im Netz für großes Unverständnis, da das Westin sich offenbar gar nicht mit dem Grundproblem auseinandergesetzt hat. Gil Ofarim ist Deutscher und Jude, die Israel-Flaggen passen hier nicht hin, wie auch der Satiriker Shahak Shapira auf Twitter findet. 

Und auch auf Instagram, direkt unter dem Posting des Hotels, gibt es viel Kopfschütteln. Viele User kritisieren, dass dieses Foto komplett aus der Kalten kommt, eine Entschuldigung fehlt. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich verwirrt über die Aussage des Banners.

Gar keine Ambitionen sich zu entschuldigen hat derweil der beschuldigte Mitarbeiter. Der hat nämlich Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Laut einem Polizeisprecher weiche die Version des Hotel-Mitarbeiters deutlich von den Eindrücken Ofarims ab. Gegenüber der Bild berichten Hotel-Mitarbeiter von einem Wortgefecht zwischen den beiden. Ofarims Managerin bestreitet aber, dass der Musiker laut geworden sei. Und: „Er sagt, das sei immer das Problem bei Antisemitismus, dass es dann heißt, Aussage gegen Aussage.“

Auch Homophobie-Vorwürfe gegen das Westin in Leipzig

Unterdessen werden neue Vorwürfe gegen das Westin in Leipzig laut. Musikmanager Piero Vecchioli, der unter anderem Patricia Kelly betreut, schilderte gegenüber RTL, dass er ebenfalls in diesem Hotel von einem Manager als „Drecks-Schwuchtel“ beschimpft worden sein soll.

Der homophobe Übergriff soll sich am 4. Oktober 2020 ereignet haben. Vecchioli habe sich über ein dreckiges Zimmer beschwert. Der Manager habe dann an seine Tür geklopft und gesagt: „Wegen dir, du Drecks-Schwuchtel, bin ich jetzt hier raufgekommen?“ Zudem solle der Schweizer „so schnell wie möglich in das Scheiß-Land zurück reisen“ wo er herkomme. Nach einer Beschwerde erhielt Vecchioli anstatt einer Entschuldigung Hausverbot.

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Die Öffentlichkeit, die Gil Ofarim mit seinem mutigen Video geschaffen hat, könnte noch ganz andere Verfehlungen im Westin Leipzig aufdecken.

Der Sänger Gil Ofarim lehnt an einer Hauswand.  Tobias Hase/dpa