Der Berliner Volker W. verlässt in Bagdad das Gericht. Er wird beschuldigt, antike Reliquien aus dem Irak geschmuggelt zu haben. dpa/A-Mohammadaw

Er hatte an einer Touristenreise zu antiken Stätten im Irak teilgenommen, nun sitzt ein 60-jähriger Berliner seit März im Gefängnis. Ihm wird wegen Antiquitätenschmuggels der Prozess gemacht. Im schlimmsten Fall droht ihm die Todesstrafe. Wie kam es dazu?

Der Berliner Volker W. wurde gemeinsam mit dem Briten Jim F. (66), einem Geologen im Ruhestand, am 20. März auf dem Internationalen Flughafen von Bagdad festgenommen. Bei der Kontrolle bei der Ausreise waren in ihrem Reisegepäck antike Steine und Keramik gefunden worden.

Seit vergangener Woche stehen die beiden Männer nun vor Gericht. Ihnen wird die illegale Ausfuhr von Antiquitäten angelastet. Der Richter sagte ihnen, sie seien auf Grundlage eines Gesetzes aus dem Jahr 2002 angeklagt, das „die absichtliche Ausfuhr oder den Versuch der absichtlichen Ausfuhr einer Antiquität aus dem Irak“ ahnde. Das in dem Gesetz vorgesehene Strafmaß reiche bis hin zur Todesstrafe.

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Volker W.: Ich habe die Objekte nicht aufgehoben

Volker W. beteuerte vor Gericht, er habe nicht in unredlicher Absicht gehandelt. Deswegen habe er die bei ihm gefundenen antiken Objekte auch in einen durchsichtigen Beutel getan. Es sei nicht seine Absicht gewesen, sie zu verstecken.

Der Berliner Volker W. (r.) und der Brite Jim F. werden in Bagdad in Handschellen in einen Gerichtssaal geführt. Beide gaben an, ihnen sei das Gesetz über den Schmuggel von Antiquitäten nicht bekannt gewesen. dpa/Mizban

Die beiden Männer waren mit einer Reisegruppe im Irak unterwegs und hatten einander zuvor nicht gekannt. Im Gepäck des Briten wurden etwa zehn Steinfragmente sowie Keramikscherben gefunden. Der angeklagte Berliner führte zwei Objekte mit sich. Er sagte aus, diese von seinem britischen Mitreisenden ausgehändigt bekommen zu haben.

Ein Team von Technikern der irakischen Regierung kam zu dem Schluss, dass die zehn gefundenen Stücke als archäologische Objekte eingestuft werden könnten, da sie mehr als 200 Jahre alt seien. Die Scherben, teils so klein wie ein Fingernagel, wurden in Eridu gesammelt, einer antiken mesopotamischen Stadt im Südirak.

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Einige der antiken Objekte sind klein wie ein Fingernagel

Beim Prozessauftakt waren Vertreter der deutschen Botschaft anwesend. Das Verfahren sollte am 22. Mai fortgesetzt werden, wurde dann aber verschoben. Die Verteidiger des Berliners Volker W. erklärten, die Informationen über den Wert der bei ihrem Mandanten gefundenen Stücke reichten nicht aus.

Anwalt Furat Kubba sagte, er wolle mehr über die historische Bedeutung der Stücke herausfinden. Sein Mandant habe die Stücke für den Briten mit sich geführt, sie aber nicht an der Stätte aufgehoben. Kubba sagte, das Verteidigerteam strebe getrennte Prozesse für beide Angeklagten an. Das Gericht in Bagdad vertagte den Prozess auf den 6. Juni.