Schauspielerin Anne Hathaway hat eigenen Angaben zufolge nie einen Plan B zur Karriere als Schauspielerin gehabt.
Schauspielerin Anne Hathaway hat eigenen Angaben zufolge nie einen Plan B zur Karriere als Schauspielerin gehabt. Jordan Strauss/Invision via AP/dpa

Ihr neuer Kinofilm ist die autobiografische Geschichte des Regisseurs James Gray („Ad Astra“), der seine Kindheit im New Yorker Vorort Queens in den 80er-Jahren aufgearbeitet hat. Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway spielt in „Zeiten des Umbruchs“ Grays Mutter Esther. 

Berliner KURIER: Sie spielen die Mutter des Film-Regisseurs. Hat das die Rolle für Sie schwieriger gemacht?

Anne Hathaway: Ja klar. Ich bin dafür bekannt, eine sehr direkte Person zu sein, die sehr starke eigene Meinungen zu ihren Filmfiguren hat und sich nicht in die Rolle reinreden lässt. Dieses Mal habe ich einen etwas anderen Ansatz gewählt, einen sanfteren. Ich habe die Rolle von Anfang an nicht als meine eigene gesehen, sondern als eine Kollaboration mit James. Ich wollte einfach nur meinen ganz besonderen Beitrag zu seiner Story leisten.

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Und der war?

Ich hatte gehofft, ihm vielleicht aus meiner Sichtweise ein paar Dinge zu zeigen, die er selbst noch nie in Bezug auf seine Mutter in Betracht gezogen hat. Mir war es am Ende wichtig, dass ich Esthers Essenz richtig darstelle und rüberbringe.

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Eine Szene aus dem Film „Zeiten des Umbruchs“ mit Anne Hathaway und Jeremy Strong.
Eine Szene aus dem Film „Zeiten des Umbruchs“ mit Anne Hathaway und Jeremy Strong. Focus Features/AP

Was meinen Sie genau mit Essenz?

Ich könnte Ihnen dazu eine persönliche Geschichte erzählen. Mein Vater hat mich während des Lockdowns in der Pandemie gefragt, was ich zu Weihnachten will. Und ich wollte ein frisch gebackenes Brot meiner Eltern, sozusagen als ihr Stellvertreter, weil ich sie selbst nicht sehen konnte. Verstehen Sie?

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Nicht ganz, ehrlicherweise!

Der Duft des Brots hat Assoziationen ausgelöst, von meinen Eltern in der Küche. Wie meine Mutter gesungen hat, mein Vater geredet und sie sich ein wenig gezankt und dann wieder vertragen haben. Ich war zwar nicht mit dabei und weiß nicht, ob das so passiert ist. Aber ich habe ihre Essenz um mich herum gefühlt. Sie waren in der Luft, weshalb mir dann auch erst einmal die Tränen gekommen sind.

Was hat Sie eigentlich an der Rolle am meisten gereizt?

Sie war meines Alters entsprechend (lacht). Also das stimmt, aber ich fand die Story von James’ Kindheit voller Liebe, aber auch voller Wut einfach nur faszinierend. Wie intime Momente von albern sehr schnell zu gewalttätig umschlagen können. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Situation aus dem Film selbst bekannt vorkommen würde – nur dass man selbst nicht darüber spricht.

Anne Hathaway in ihrer Rolle als Esther mit Filmsohn Michael Banks Repeta.
Anne Hathaway in ihrer Rolle als Esther mit Filmsohn Michael Banks Repeta. Focus Features/AP

Es gibt in dem Film sehr körperliche Szenen mit den Kindern. Wie geht man damit am Set um, weil es sich ja um Kinderdarsteller handelt?

Wir haben jede Szene mit meinem Filmsohn Michael Banks Repeta und seiner Mutter genau durchgesprochen. Und uns dann auch immer wieder versichert, dass alles okay ist. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung als Schauspielerin in Teenie-Jahren, dass man nicht verhätschelt, sondern ernst genommen werden will. Cate Blanchett hat mal gesagt, dass Kunst nicht immer nett ist. Deshalb muss man für die Kids am Set eine Umgebung kreieren, in der sie sich absolut sicher und geborgen fühlen. Nur dann kann man auch Gewaltszenen riskieren.

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Sie haben selbst zwei Kinder. Wie viele eigene Erfahrungen stecken in Ihrer Filmmutter-Rolle?

Ein wenig ist immer mit dabei, dagegen kannst du dich gar nicht wehren. Ich weiß, dass James eines nicht gerade an seiner Mutter geliebt hat – die weibliche Wut. Und davon habe ich eine Menge mit in die Rolle eingebracht. Ich bin augenscheinlich auch kein Engel, wenn es um aufbrausend geht.