Anna Netrebko hat erst Auftritte im Westen verloren, dann auch in Russland. Jetzt darf sie erstmals wieder in Monaco auftreten. Hans Punz / dpa

Jetzt also doch, nach viel Wirbel um die Freundschaft Anna Netrebkos zu Wladimir Putin und ihrer erst zögerlich geäußerten Kritik am Krieg den Putin in der Ukraine führt, steht die Sopranistin demnächst wieder vor Publikum.

Anfang März hatte Anna Netrebko eine Auftrittspause angekündigt. Unter anderem die Bayerische Staatsoper hatte davor die Zusammenarbeit mit ihr beendet, Netrebkos Agentur in Deutschland hatte sich von ihr getrennt.

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Nun wird die russische Sopranistin mit dem Ensemble des Theaters Erfurt in Monaco auftreten. Darüber informierte die Opéra Monte Carlo auf ihrer Internetseite. Es geht dabei um die Titelrolle in der Oper „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini - eine Koproduktion mit dem Theater Erfurt. Zuerst berichtete die „Thüringer Allgemeine“ (Erfurt) am Freitag auf ihrer Internetseite über die Besetzung.

Grund für das Engagement von Netrebko, die sich Ende März nach einigem Zögern doch von Russlands Präsident Wladimir Putin distanziert hatte, sei eine Erkrankung der Italienerin Maria Agresta, die ursprünglich die Rolle der Manon Lescaut singen sollte, informierte die Oper.

Premiere mit Netrebko am 22. April

Netrebko, von der sich zeitweise einige Häuser distanziert hatten, sei von der Oper in Monaco engagiert worden, die auch ihre Gage bezahle, berichtete die „Thüringer Allgemeine“. Das Engagement sei „eine künstlerische Entscheidung des Kooperationspartners, die wir respektieren“, sagte Erfurts Kulturdezernent Tobias Knoblich (parteilos) der Zeitung.

Die Inszenierung der Oper „Manon Lescaut“ des Erfurter Intendanten Guy Montavon hatte im Oktober 2021 Premiere in Thüringens Landeshauptstadt. An der Opéra Monte Carlo soll die Koproduktion am 22. April Premiere haben.

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Netrebko hatte sich nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine am 24. Februar zunächst zögerlich gezeigt, dann aber gegen den Krieg ausgesprochen. Wer in Russland Putins Krieg gegen die Ukraine kritisiert, lebt gefährlich und kann mit hohen Geldbußen oder sogar mit Gefängnis bestraft werden. Netrebko lebt vor allem in Österreich.

Auch in Russland wurden Konzerte mit Netrebko abgesagt, etwa von der Oper Nowosibirsk: Das für den 2. Juni geplante Konzert der 50-Jährigen könne nicht stattfinden: „In Europa zu leben und die Gelegenheit zu haben, in europäischen Konzertsälen aufzutreten, hat sich als wichtiger erwiesen als das Schicksal des Vaterlandes“, hieß es in der Mitteilung der Oper. „Wir dürfen keine Angst vor Kulturschaffenden haben, die ihrem Land den Rücken zukehren. Unser Land ist reich an Talenten und die Idole von gestern werden durch andere ersetzt, die eine klare staatsbürgerliche Haltung haben.“