Feuerwerk in Berlin (Archivbild) imago/STPP

Bald ist es wieder soweit. Dem alten Jahr schlägt am 31. Dezember das letzte Stündlein und weltweit begrüßen die Menschen ein hoffentlich frohes und glückliches 2022.

Und wenn auch fast alle am selben Abend feiern, so gibt es doch rund um den Globus eine Vielzahl verschiedenster Bräuche, Sitten und Rituale, mit denen das neue Jahr begrüßt wird.

Rote Unterwäsche in Bella Italia

Einen recht merkwürdigen Kleidungsstil pflegen am letzten Tag des Jahres die Italiener: rote Unterwäsche ist dann Pflicht. Nur so kann man der Tradition zufolge gut ins neue Jahr rutschen und hat dann fortan Glück in der Liebe!

Um Mitternacht gibt es in Italien traditionell ein Linsengericht mit Schweinshaxe. Die Linsen erinnern an Münzen, wodurch diese Speise symbolisch für Geldsegen steht. Das bringt – so sagen die Italiener – Wohlstand und Reichtum.

Frankreich: Kaum Böllerei, aber gutes Essen

Die Franzosen mögen es eher ruhig. Anders als bei uns, wo es knallen und böllern muss – auch wenn es coronabedingt in diesem Jahr etwas leiser zugehen dürfte –, verbringen viele Franzosen den Silvesterabend mit Freunden oder der Familie bei gutem Essen und Champagner. Die größte Party des Landes steigt in der Regel auf den Champs-Elysées in Paris. Wie am Brandenburger Tor in Berlin treffen sich hier Hunderttausende, um das neue Jahr zu begrüßen.

Spanien: Weintrauben als Glücksbringer

Weintrauben schmecken, aber sie sind in den Augen vieler Spanier auch echte Glücksbringer und daher ein echtes Muss in der Silvesternacht: Denn um Mitternacht schiebt man sich bei jedem Glockenschlag eine Traube in den Mund. Das bringt Glück. Aber Achtung: wer sich verzählt, dem steht ein schweres Jahr mit reichlich Pech bevor: Gut also, wenn man um Mitternacht noch zählen kann!

In manchen Ländern kann es nicht schaden, zu Silvester ein paar Weintrauben bei sich zu haben. imago/Rainer Unkel

Die Spanier haben noch einen recht weit verbreiteten Brauch: So stoßen sie  um Mitternacht mit Sektgläsern an, in die sie vorher einen goldenen Ring werfen. Das soll natürlich Glück bringen, was denn sonst.

Portugal: Neujahrsbad und schicke Klamotten

Den Weintrauben-Brauch aus Spanien kennt man auch in Portugal. Daneben haben viele Portugiesen um Mitternacht eine Münze fest in der Hand. Diese soll ihnen finanzielles Glück bringen. Daneben wird Geschirr zertrümmert oder mit Töpfen geschlagen. Der Lärm vertreibt böse Geister, ist doch ganz klar.

Ein Bad am Neujahrstag kann der Tradition zufolge auch nicht schaden – Glück in der Zukunft ist die Folge, ebenso das Tragen neuer Kleidung am ersten Tag des neue Jahres.

England: Singen von alten Zeiten

Auch die Briten sind in Sachen privates Feuerwerk recht sparsam. Organisierte Feuerwerke gibt es zu Silvester jedoch. Das wohl größte und berühmteste steigt am Londoner Riesenrad „London Eye“. Dort versammeln sich Jahr für Jahr hunderttausende Menschen, um das pompöse Lichterspiel zu bestaunen. Gleichzeitig findet dort die größte Kostüm-Silvesterparty statt. Wenn die Glocken vom Big Ben Mitternacht und somit das neue Jahr einläuten, singen die Briten „Auld Lang Syne“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Längst vergangene Zeit“. Damit wird dann der Verstorbenen des zu Ende gegangenen Jahres gedacht.

Schottland: Feierlichkeiten über drei Tage

Neujahr ist einer der wichtigsten Feiertage bei den nördlichen Nachbarn der Engländer – „Hogmanay“ genannt. Und die Feierlichkeiten zu Silvester können sich auch schon mal über drei Tage erstrecken.

Das klassische Silvestergetränk ist aber „Hot Pint“, ein Mix aus Bier, Whisky und Eiern. Die Schotten trinken dies bei einem der zahlreichen Fackelumzüge mit Dudelsack-Musik. Dazu gibt es „Black Bun“, überbackenes Früchtebrot, und „Haggis“, gefüllte Schafsmägen. Und wie die Engländer auch singen sie um Mitternacht das keltische Lied „Auld Lang Syne“.

Griechenland: Zocken bis ins neue Jahr

Griechen lieben das Zocken in der Silvesternacht – Karten- oder Würfelspiele zu Hause oder im Kasino sind Pflicht. Los geht’s am Silvesterabend und dann wird bis zum Sonnenaufgang am Neujahrstag durchgespielt. Wer gewinnt – so der Glaube - hat das ganze Jahr über Glück. Trostpreis für alle Verlierer: Wer nicht gewinnt, kann auf Glück in der Liebe hoffen. Mehr oder weniger als eine Win-Win-Situation im Lande Odysseus.

Daneben gibt es noch das Basiliusbrot. Hier werden Münzen im Teig verrührt und mitgebacken. Wer dann auf eine Münze beißt oder beim Aufschneiden auf die Münze trifft, kann sich auf ein glückliches Jahr in Reichtum freuen.

Bulgarien: Schläge gehören dazu

Gleich um die Ecke in Bulgarien gibt es zu Silvester richtig Haue. Das neue Jahr wird mit Schlägen auf den Rücken begrüßt – angeblich kommt man so zu Reichtum und auch der zukünftigen Gesundheit soll das zuträglich sein. Verwendet wird ein bunt geschmückter Ast eines Kirschbaums. Mit diesem Teil bewaffnet ziehen dann die Kinder des Ortes  in der Silvesternacht und am Neujahrstag von Haus zu Haus und schlagen den Bewohnern damit auf den Rücken. Und für ihre vorgebrachten Wünsche für ein gesundes und glückliches Jahr erhalten sie kleine Geschenke wie Süßigkeiten, Kuchen und Münzen.

USA: Linsen und Sauerkraut

Hier geht’s auch zu Silvester ein bisschen um Money: In südlichen Gegenden werden zum Jahreswechsel gern Linsen verspeist – angeblich, weil sie ein wenig wie Münzen aussehen. Und so verspricht eine deftige Linsensuppe Geldsegen im neuen Jahr. Woanders erscheint Sauerkraut zu den traditionellen Gerichten am Silvester- und Neujahrstag. Die deutschen Auswanderer des 19. Jahrhunderts lassen grüßen. Dann gibt es noch die Regel „Nothing Goes Out“, nach der am ersten Tag des Jahres nichts das Haus verlassen darf, auch nicht der Müll. Wenn doch, droht Unglück.

Wer es doch lieber draußen krachen lassen möchte, geht zu einem der zahlreichen Maskenbälle oder zur größten Silvesterparty der Welt auf den Time Square in New York. Jährlich versammeln sich hier Tausende von Menschen aus der ganzen Welt und erleben – neben dem spektakulären Feuerwerk – den „Ball Drop“. Die Kugel leitet den 60-Sekunden-Countdown bis Mitternacht ein und senkt sich auf eine 23 Meter hohe Stange herab.

Am Time Square gibt es zudem auch die „Wishing Wall“. Die Menschen schreiben ihre Neujahrswünsche auf Post-its und heften sie an die Wand. Diese werden anschließend eingesammelt, schön durchgemischt und wie Konfetti in die Luft geworfen.

Argentinien: Silvester im Hochsommer

In Argentinien ist zum Jahreswechsel Hochsommer! Man sitzt draußen und macht sich einen entspannten Abend mit Freunden bei gutem Essen und Gesprächen. Um Mitternacht ist es dann allerdings vorbei mit der Ruhe. Im Süden liebt man die Knallerei und pünktlich um 0 Uhr bricht dann auch ein gigantisches Feuerwerk los. Ob das zu Corona-Zeiten auch so sein wird, bleibt abzuwarten. Im Nachbarland Brasilien ist das traditionelle Feuerwerk am Strand von Rio leider wieder abgesagt – Corona lässt grüßen.

Ecuador: Lasst die Puppen brennen!

Die Ecuadorianer wollen am letzten Tag des Jahres das Schlechte der Vergangenheit loswerden. Dafür basteln sie riesige Puppen aus alter Kleidung und stopfen sie mit Sägemehl und Papier aus. Die „monigotes“, zu deutsch: Hampelmänner, können Abbilder unbeliebter Politiker, aber auch ganz klassisch Hexenköpfe sein. Um Mitternacht werden sie auf den Straßen verbrannt, um Platz für das Gute im neuen Jahr zu schaffen.

In Russland kommt Väterchen Frost

In Russland läuft alles etwas anders. Hier gibt es zu Silvester Geschenke von Väterchen Frost, dem russischen Weihnachtsmann. Denn man feiert das Jolka-Fest, ganz in Familie stößt man um Mitternacht auf das neue Jahr an. Die russisch-orthodoxe Kirche richtet sich anders als die westlichen Kirchen nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender: Weihnachten wird erst in der Nacht zum 7. Januar gefeiert, das orthodoxe Neujahr ist erst am 13. Januar.

Ist bei uns das Bleigießen eine typische (wenn inzwischen auch verbotene) Silvestertradition, prophezeien die Russen die Zukunft im neuen Jahr mit geschmolzenem Wachs. Kurz vor Mitternacht schreiben die Menschen außerdem ihren größten Wunsch auf ein Stück Papier und zünden es an. Die Asche geben sie in ein Sektglas. Wer es bis Punkt Mitternacht ausgetrunken hat, kann sich auf die Erfüllung seines Wunsches freuen. Klingt gut!

Tschechien: Blicke in die Zukunft

Hier wird zu Silvester gern in die Zukunft geschaut. Dazu wird ein Apfel aufgeschnitten. Am Kerngehäuse kann dann das Schicksal abgelesen werden. Bilden die Kerne ein Kreuz, droht Unheil; in Sternform stehen sie für Glück. Finanziellen Erfolg soll nach tschechischer Tradition ein Mitternachtsessen mit Linsen bringen, die auch hier Geld symbolisieren.

Japan: Gefährliche Klößchen

Schon Tage vor dem Jahreswechsel feiern die Japaner gemeinsam mit ihren Freunden und Verwandten das Fest des Vergessens, „Bonenkai“. Sie putzen „alten Schmutz“ aus den Häusern und dekorieren alles mit Blüten und Kiefern. So wollen sie böse Geister vertreiben und gereinigt ins neue Jahr starten.

Das klassische Silvesteressen sind die klebrigen Reisklößchen „Mochi“. Da diese mit recht fatalen Folgen im Hals stecken bleiben können – es gab schon Tote durch Ersticken –, gibt es inzwischen behördliche Warnungen, man möge die „Mochi“ als Suppe servieren. 

Nach dem Abendessen geht's oft in einen der vielen Tempel. Dort befreit man sich dann von den Verfehlungen des vergangenen Jahres. In den Tempelanlagen schlagen die Glocken 108 Mal und vertreiben mit jedem Schlag eine Sünde. Anschließend steigen leuchtende Ballons mit Neujahrswünschen auf.