Dutzende von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften arbeiten am Tatort einer Schießerei an der Oxford High School in Oxford Township. Todd Mcinturf/Detroit News via AP/dpa

Er hatte bereits seine Mitschülerinnen Hana St Juliana (14), Madisyn Baldwin (17) sowie seinen Mitschüler Tate Myre (16) erschossen. Doch der Amokläufer der Oxford High School bei Detroit (US-Bundesstaat Michigan) wollte ein noch viel größeres Massaker anrichten. Mit einem Trick versuchte der 15-Jährige, in einen Klassenraum einzudringen, wo sich Dutzende Schüler verbarrikadiert hatten. Nur wegen eines Versprechers konnte er seine anvisierten Opfer nicht davon überzeugen, ihm die Tür zu öffnen – womit ein weiteres Blutbad verhindert werden konnte.

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Einer der eingeschlossenen Schüler hatte die traumatischen Ereignisse auf Video festgehalten und danach auf Instagram gestellt. Es zeigt, wie er und seine Mitschüler im Klassenzimmer hinter umgestoßenen Tischen kauern. Dann ist ein lautes Klopfen an der Tür zu hören und die tief verstellte Stimme des Amokschützen ruft: „Sheriffs Office“. Ein Wortführer unter den Schülern antwortet: „Ja, wir sind hier!“ Worauf der Amokschütze noch einmal klopft: „Sheriffs Office. Ihr seid sicher. Kommt raus.“ Ein Mädchen flüstert: „Wir wissen nicht, wer da draußen wirklich ist!“

Schüler verlassen nach der Schießerei das Schulgebäude. Eric Seals/Detroit Free Press via AP

Durch einen Versprecher wurde ein größeres Massaker verhindert

Worauf der Wortführer in der Klasse zurückruft: „Lieber nicht. Das ist für uns gerade zu riskant.“ Der Amokschütze daraufhin klingt unwirsch, seine Tonlage wird höher und klingt jetzt wie ein Teenager: „Mach jetzt endlich die Tür auf und schau mir in die Augen, BRO!“. Das letzte Wort – Bruder – würde kein Polizist verwenden. Das wird jedem der Verbarrikadierten sofort klar, weshalb in der Klasse eine gemurmelte Panik ausbricht. Die Stimme eines Mädchens ist zu hören: „Er hat Bro gesagt. Das ist er!“ Worauf alle Eingeschlossenen aufspringen, ein Fenster öffnen und in den verschneiten Hof hinausspringen. Dann sprinten sie alle zu einem anderen Schulgebäude, wo echte Polizisten sie erwarten und reinlassen.

Der Held des Amoklaufs: Tate Myre wurden von mehreren Kugeln getroffen. Facebook

Laut Klassenkameraden hatte Opfer Tate Myre sein Leben riskiert, um den Amokläufer zu entwaffnen. Doch der Starspieler der Highschool-Footballmannschaft wurde von mehreren Kugeln getroffen und starb in einem Streifenwagen auf dem Weg zur Notaufnahme. Bereits 28.000 Menschen haben eine Online-Petition unterschrieben, das Footballstadium der Schule nach dem toten Helden zu benennen.

Schüler trauern nach dem Amoklauf um die Toten. Jeff Kowalsky/AFP

Der mutmaßliche Killer ließ sich widerstandslos festnehmen und sitzt laut Sheriff Michael Bouchard in Untersuchungshaft. Der Zehntklässler verweigert jegliche Aussage. Bouchard: „Die Eltern haben sich mit ihm getroffen und ihm geraten, nichts zu sagen. Wir wissen, dass der Vater ihm die Tatwaffe, eine 9-mm-Sig Sauer, am letzten Freitag gekauft hat. Warum, das wissen wir nicht.“ Der Teenager hatte in den folgenden Tagen Fotos gepostet, wie er mit seiner neuen Waffe Schussübungen machte.  

Ein Polizeisprecher hatte zuvor mitgeteilt, dass der Verdächtige innerhalb von fünf Minuten nach dem ersten Notruf gefasst worden sei, der um 12.51 Uhr (Ortszeit/18.51 Uhr MEZ) einging. Die Zahl der Todesopfer steig unterdessen auf vier, ein 17-jähriger Schüler erlag in einer Klinik seinen Verletzungen. 

Als der 15-Jährige die Einsatzkräfte auf einem Flur gesehen habe, habe er seine Hände gehoben, sagte Sheriff Bouchard. Daraufhin hätten die Beamten ihm seine Waffe abgenommen, in der noch Munition gesteckt habe, und ihn festgenommen. Die High School werde von rund 1800 Schülerinnen und Schülern besucht. Es gebe dort keine Metalldetektoren.

Staatsanwältin Karen McDonald sagte am Mittwoch, dem Verdächtigen würden unter anderem Terrorismus mit Todesfolge und vierfacher Mord ersten Grades vorgeworfen. Er werde wegen der Schwere der Vorwürfe als Erwachsener angeklagt werden. Sie sei sich nach Sichtung der Beweise sicher, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt habe.