Die Polizei rückte unter anderem mit einem Panzerwagen an. AFP/Daniel Roland

Heidelberg Schrecklicher Amoklauf an der Uni Heidelberg: Während einer laufenden Vorlesung eröffnete am frühen Montagnachmittag ein Mann das Feuer, schoss mit einem Gewehr um sich. Vier Menschen wurden verwundet, ein Frau erlag wenig später dem erlittenen Kopfschuss.

Der Täter sei bei laufender Vorlesung in den Hörsaal gestürmt und habe um sich geschossen, teilte die Polizei mit. Er habe einen hellen Rucksack bei sich getragen, in dem sich weitere Waffen und Munition befunden hätten. Die Waffen, eine Doppelflinte und eine Repetierwaffe, habe sich der 18-Jährige aus Mannheim im Ausland besorgt, sagte Siegfried Kollmar, Mannheims Polizeipräsident, am Abend. Nach der Tat sei der Mann aus dem Uni-Gebäude nach draußen geflohen und habe sich selbst getötet.

Die Tat spielte sich auf der Neckarseite gegenüber der Altstadt Heidelbergs ab. Grafik: dpa. Quelle: Polizeipräsidium Mannheim, OSM-Mitwirkende

Nach ersten Notrufen gegen 12.30 Uhr war die Polizei auf einem Gelände der Uniklinik in der Nähe des Neckars mit einem Großaufgebot im Einsatz. Erste Beamte verschafften sich um 12.33 Uhr Zugang zum Gebäude, durchsuchten es Raum für Raum. Wenig später wurde die Leiche des mutmaßlichen Täters Man habe zuerst nicht gewusst, ob es eventuell mehrere Täter gibt – zur Sicherheit wurde das Gelände weiter abgesucht. 400 Beamte waren im Einsatz. Erst um 15 Uhr gab es Entwarnung.

Amoklauf in Heidelberg: Täter hatte mehrere „Langwaffen“ dabei

Nach ersten Erkenntnissen soll der Täter, selbst Student, keine politischen oder religiösen Motive gehabt haben. Man gehe von einer Beziehungstat oder psychischen Problemen aus. Unmittelbar vor der Tat habe er eine Whatsapp-Nachricht an jemanden geschrieben, es müssten Leute bestraft werden. Zudem wolle er nicht auf einem Friedhof beigesetzt werden, sondern wünsche eine Seebestattung. „Wir werden sein Umfeld nun genau durchleuchten“, sagte Kollmar weiter.

 Polizeibeamte mit zwei Waffen des Amokschützen. Eine ist eine doppelläufige Schrotflinte, die andere ein Repetiergewehr.   dpa/Sebastian Gollnow

„Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht“, sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, nach der Tat. Theresia Bauer (Grüne), die Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, besuchte am Nachmittag den Tatort und zeigte sich erschüttert: „Ich bin entsetzt. Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen.“

Auch Eckart Würzner (parteilos), der Bürgermeister von Heidelberg, äußerte sich. „Der heutige Tag ist ein fürchterlicher für uns alle“, schrieb er auf Facebook. Und Bundeskanzler Scholz sagte: „Es zerreißt mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren.“