Piloten und Flugbegleiter

Am Donnerstag streiken die Crews der Lufthansa

Streik bei Lufthansa: Wer am Donnerstag fliegen will, könnte am Boden bleiben. Was hinter dem Konflikt um neue Billig-Töchter und Tarifverträge steckt.

Author - Kay Schöphörster
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Passagiermaschinen warten bei Sprühregen und Schnee auf dem Flughafen Frankfurt auf ihre Startfreigabe.
Passagiermaschinen warten bei Sprühregen und Schnee auf dem Flughafen Frankfurt auf ihre Startfreigabe.Boris Roessler/dpa

Wer am Donnerstag (12. Februar) fliegen will, braucht starke Nerven. Bei Lufthansa droht der ganz große Stillstand: Piloten und Flugbegleiter wollen den ganzen Tag über sämtliche Starts in Deutschland lahmlegen – sogar Frachtflüge sollen betroffen sein. Wie viele Maschinen tatsächlich am Boden bleiben, weiß noch niemand, doch intern rechnet man bereits mit einem „erheblichen betrieblichen Einfluss“.

Zwei Gewerkschaften ziehen gleichzeitig die Notbremse: Die Vereinigung Cockpit, die die Piloten vertritt, fordert höhere Arbeitgeberbeiträge für Betriebs- und Übergangsrenten – ein Thema, das seit Monaten ungelöst ist. Die Kabinengewerkschaft Ufo will dagegen erzwingen, dass Lufthansa wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Nach ihren Angaben stehen wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs auf der Kippe.

Der Vorwurf der Gewerkschaften: Der Vorstand fahre eine harte Linie, rede ständig von „Produktivität“ und „Flexibilität“, meine damit aber letztlich mehr Arbeit für weniger Sicherheit. Viele Beschäftigte klagen über steigende Belastung und ein Privatleben, das kaum noch planbar sei.

Immer mehr Verbindungen über Billig-Töchter der Lufthansa

Im Zentrum des Ärgers steht die Strategie des Konzerns, immer mehr Verbindungen über neue Billig-Töchter zu betreiben. City Airlines und Discover wurden geschaffen, um günstiger produzieren zu können – mit Crews, die deutlich weniger verdienen. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr könne der Konzern nur dort wachsen, „wo Geld verdient wird“.

Für Passagiere ist das kaum erkennbar: City Airlines ist vollständig in den Lufthansa-Flugplan eingebunden, verkauft keine eigenen Tickets und tritt optisch kaum hervor. Doch hinter den Kulissen baut die neue Gesellschaft rasant aus. Erst diese Woche wurde bekannt, dass sie nun auch ab Frankfurt startet. Bis Herbst sollen dort sieben Airbus A320 stationiert sein.

Während die Gewerkschaften von Lohndruck und Verdrängung sprechen, stellt Lufthansa weiter ein: In Frankfurt wurden bereits 60 neue Kräfte für City Airlines gewonnen, weitere 280 sollen folgen.