Mit viel Kreativität gestaltet manche Männer-Clique ihren Herrentags-Wagen für den feuchtfröhlichen Ausflug. Foto: Peter Kneffel/dpa

Am Donnerstag werden viele Männer wohl wieder mit Bier und Bollerwagen losziehen, um – trotz Corona - Vatertag zu feiern. Doch woher stammt der Brauch? Und warum ist Vatertag, auch Herrentag oder Männertag genannt, bei uns an Christi Himmerfahrt?

Wie schon der Muttertag hat auch „Father’s Day“ seine Wurzeln in den USA. Erfunden hat ihn eine Frau: Sonora Louise Smart Dodd aus der kleinen Stadt Spokane im Bundesstaat Washington. Ihr Vater hatte nach dem Tod seiner Ehefrau sechs Kinder allein groß gezogen. Um ihn zu ehren und vom gerade erst eingeführten Muttertag inspiriert, konnte Dodd zunächst örtliche Behörden überzeugen, am dritten Sonntag im Juni künftig auch der Väter zu gedenken – zum ersten Mal 1910. Doch erst 1972 erklärte ihn Präsident Richard Nixon zum offiziellen Feiertag.

In Europa hätten in den 1930er Jahren niederländische Zigarrenfabrikanten begonnen, den Vatertag als Gegenstück zum Muttertag zu propagieren, berichten Volkskundler. In Österreich gilt Helmut Herz als Erfinder, Werbeleiter einer Hemdenmanufaktur. „Vater sein ist vielfach Plag’, drum leb er hoch, der Vatertag“, dichtete er in den 1950er Jahren. Die Tage des Vatertags sind unterschiedlich: In Frankreich oder den Niederlanden zum Beispiel bekommt Papa am dritten Sonntag im Juni Geschenke oder das Frühstück ans Bett. In Italien wird nach römisch-katholischer Tradition am Josefstag gefeiert, „Festa di San Giuseppe“ ist am 19. März. Der Tag geht auf den Ziehvater Jesu und Ehemann der heiligen Mutter Maria zurück.

Auch hierzulande fällt der Vater-, Männer- oder Herrentag mit einem kirchlichen Fest zusammen: Christi Himmelfahrt. Wenn deutsche Männer dann lautstark mit Bier und Bollerwagen durch die Gegend ziehen, dürften sich nur die wenigsten der Wurzeln dieses Brauchs bewusst sein. Seit dem 4. Jahrhundert feiern Christen an Himmelfahrt die „Aufhebung“ Jesu in den Himmel, die Rückkehr des Gottessohnes zum Vater. Später zogen die Gläubigen an diesem Tag um die Felder und baten um eine gute Ernte. Dass schon damals ordentlich gezecht wurde, belegen Zeugnisse aus dem frühen 16. Jahrhundert. Schließlich rückte der christliche Ursprung zunehmend in den Hintergrund: Im 19. Jahrhundert kamen die ersten „Herrentouren“ aufs Land in Mode – Frauen waren schon damals nicht dabei.