Der Orden wurde vor 31 Jahren, am 5. Oktober 1989, letztmals an fleißige Werktätige verliehen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Ein vergoldeter Stern mit fünf Zacken und einem Durchmesser von 36 Millimetern, dazu eine Urkunde und eine satte Prämie – wer das in der DDR bekam, war ein staatlich anerkannter „Held der Arbeit“. Der Orden wurde vor 31 Jahren, am 5. Oktober 1989, letztmals an fleißige Werktätige verliehen – für „beispielgebende Initiativen und andere hervorragende Verdienste bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft“.

Die „Helden“ seien von Staats- und Parteichef Erich Honecker im Palast der Republik in Ost-Berlin persönlich gewürdigt worden, sagt der Historiker Stefan Wolle vom DDR-Museum in der Hauptstadt. Es solle aber eine gespannte Atmosphäre geherrscht haben. Draußen im Land brodelte es längst, Tausende gingen auf die Straßen und demonstrierten. Fünf Wochen später fiel die Mauer.

„Es gab eine regelrechte Ordensschwemme“, berichtet der ostdeutsche Historiker. In dem 1983 in Leipzig erschienenen Taschenlexikon „Orden und Medaillen der DDR“ sind 127 staatliche Auszeichnungen aufgelistet, hat der 69-Jährige recherchiert. „Und Held der Arbeit war schon was Höheres.“ Heute wird der Orden zusammen mit Urkunde, Etui und Honecker-Foto beim Überreichen für 1350 Euro im Internet zum Kauf angeboten.

Ob Aktivist, verdienter Lehrer des Volkes oder Nationalpreis-Träger – mit den Auszeichnungen habe die SED-Partei- und Staatsführung ihre Idee vom sozialistischen Menschen verfolgt, erläutert Wolle. „Da sollte die Arbeit eine Sache der Ehre, Selbstverwirklichung und Freude sein – Arbeit im Dienste der Gemeinschaft, des Staates.“ Das habe man fördern wollen.

„Wie eine Maschine lief das und wurde immer peinlicher“, meint Wolle. Zum jährlichen Ritual gehörte auch, die neuen Ordensträger im „Neuen Deutschland“ zu veröffentlichen. So standen am 6. Oktober 1989 im „Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ in einer langen Namensliste unter anderem der Meister eines Walzwerks, die Chefärztin einer Spezialklinik des Regierungskrankenhauses, Leiter von Brigaden im Wohnungs- und Straßenbau, ein Schlosser, eine Meisterin in einer Schnapsfabrik, aber auch der Minister für Handel und Versorgung.

Verleihung des Ehrentitels „Held der Arbeit“ an Günther Lieske von der Stahlgießerei Marten AG Chemnitz-Borna 1950. Foto: Bundesarchiv

„Das war schön aufgeteilt, es sollte bunt aussehen“, sagt Wolle, der in der DDR im Ost-Berliner Transformatorenwerk arbeitete. Bei den Auszeichnungen sei darauf geachtet worden, dass alle Bereiche vertreten sind – auch wenn aus manchen Arbeitern längst Funktionäre geworden waren. Die Vorschläge seien von der SED-Führung geprüft worden. „Es musste schon ein treu ergebener Staatsbürger sein – dann ging das seinen sozialistischen Gang“, sagt Wolle ironisch.

Viele hätten auch gelästert und gewitzelt über die Staatsehrung. Standen Arbeiter rum, weil etwa Material fehlte, hieß es schon mal ironisch: „So wirst du nie Held der Arbeit“, erinnert sich Wolle. 1989/90 habe es auch Fälle gegeben, in denen Auszeichnungen wie etwa Nationalpreise aus Protest zurückgegeben worden seien. „Held der Arbeit“ wurde an Einzelne verliehen, Nationalpreise für Leistungen in Wissenschaft und Technik gingen auch an Kollektive.

Heute wird der Orden zusammen mit Urkunde, Etui und Honecker-Foto beim Überreichen für 1350 Euro im Internet zum Kauf angeboten. Foto: Images Images

In vielen Betrieben habe es trotz aller Probleme der Planwirtschaft eine „Arbeiterehre“ gegeben, sagt Wolle. „Gut arbeiten, pünktlich sein, den Platz ordentlich verlassen – das gehörte bei vielen dazu.“ Die Botschaft der „Helden“-Ehrung sei auch gewesen: Wer sich anstrengt, für den kann es sich lohnen. Die Geldprämie von 10.000 Mark zum Orden sei extrem hoch gewesen.

Vorbild für Medaillen, Ehrennadeln und Tafeln der Besten war laut Wolle die Sowjetunion, wo schon seit den 30er-Jahren mit großem Propagandaaufwand die Produktivität hochgekurbelt werden sollte.

In der DDR kamen dann ab 1950 jedes Jahr neue Arbeitshelden kurz ins Rampenlicht – rund um den 7. Oktober, dem „Tag der Republik“ (DDR-Gründungsdatum 7. Oktober 1949). Die Medaille mit Lorbeerkranz wurde erstmals am 13. Oktober 1950 in Ost-Berlin verliehen.

Festgelegt wurde die Ehrung im „Gesetz zur Förderung und Pflege der Arbeitskräfte, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und zur weiteren Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Angestellten“.

Eine Auszeichnung indes hat die DDR-Spitze nie vergeben. Ein Blücher-Orden – benannt nach dem preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher – habe im Safe des DDR-Verteidigungsministers gelegen, sagt der Experte vom DDR-Museum. „Die Medaille wäre bei einem Sieg der sozialistischen Staaten gegen eine imperialistische Aggression verliehen worden – für Tapferkeit im Felde.“