Dieses Sumatra-Nashorn namens Tam, das das letzte männliche Sumatra-Nashorn weltweit überhaupt war und in einem Reservat auf der Insel Borneo lebte, starb mit 35 Jahren 2019. Foto: dpa/borneo rhino allliance

Mehr als 500 Arten von Landwirbeltieren stehen nach einer Analyse derzeit am Rande des Aussterbens. Dies sei wahrscheinlich größtenteils auf menschliches Handeln zurückzuführen, berichten Forscher um Gerardo Ceballos von der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (Unam). Und dieses Aussterben bedroht auch den Fortbestand der Menschheit.

Ceballos und seine zwei US-amerikanischen Co-Autoren erfassten für 515 Arten, dass es bei ihnen jeweils nur noch weniger als 1000 Individuen gibt. Dies seien rund 1,7 Prozent der 29.400 untersuchten Landwirbeltier-Arten. Unter den akut gefährdeten Spezies sind demnach etwa das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), der Stummelfußfrosch Atelopus varius, der Clariónzaunkönig (Troglodytes tanneri) und der Buntbock (Damaliscus pygargus).

335 der stark bedrohten Arten sind Vogelspezies. Die 515 Arten leben laut der Studie hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten, die stark von menschlichen Aktivitäten betroffen sind - die meisten mit 30 Prozent in Südamerika, ein Prozent in Europa. In denselben Gegenden lebe auch die überwiegende Mehrheit der 388 Arten von Landwirbeltieren, von denen es weniger als 5000, aber mindestens 1000 Individuen gebe.

Ein Panama-Stummelfußfrosch in einem Terrarium in Vancouver. Seinen natürlichen Lebensraum hat er bereits verloren. Foto: dpa/Landov

Nach Ansicht der Forscher erlebt die Erde derzeit ein sechstes Massenaussterben. Dieses beschleunige sich. Zu den menschlichen Aktivitäten, die dabei eine Rolle spielten, gehörten unter anderem die Übernutzung von Ressourcen, die Umweltverschmutzung und der illegale Wildtierhandel. Seit 1900 seien geschätzt mehr als 540 Landwirbelspezies ausgestorben, so die Forscher.

Allein in den kommenden zwei Jahrzehnten könne eine ebenso hohe Zahl folgen. Schätzungen, wonach ein Fünftel aller Arten bis 2050 vom Aussterben bedroht sein könnten, ergäben allmählich Sinn. Dies sei auch für die menschliche Zivilisation eine existenzielle Bedrohung, da Ökosysteme, von denen die Menschheit abhänge, stark verändert würden.

Auch der Zackenhirsch (Rucervus duvacelli) ist akut vom Aussterben bedroht. Foto: dpa/Ceballo