Manche Gegenden in Ostdeutschland wirken bis heute etwas vergessen. Hier ein Bild der Kleinstadt Loitz in Vorpommern im Jahr 2015. Foto: dpa/Stefan Sauer

In den vergangenen 30 Jahren zogen 3,86 Millionen Menschen aus den neuen Ländern nach Westdeutschland. Von West nach Ost zogen 2,63 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Das geht aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Die aktuelle Statistik zeigt die Werte von 1991 bis 2019.

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Die meisten Menschen wanderten in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung in die alten Länder ab. 2014 drehte sich die Entwicklung erstmals in einem Ostland um: In Sachsen, wo die Wanderungsverluste teils besonders groß gewesen waren, kamen durch Wanderungen zwischen Ost- und Westdeutschland unterm Strich rund 1800 Menschen dazu. In den Jahren darauf gab es je nach neuem Bundesland sowohl positive als auch negative Wanderungseffekte.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Zahlen erfragt hatte, machte ungleiche Lebensverhältnisse für die Abwanderung aus dem Osten verantwortlich. „Viele Ostdeutsche haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen zu entrinnen“, sagte sie der dpa. Mit der Entvölkerung von Regionen gehe ein Rückbau von sozialer und kultureller Infrastruktur in vielen Städten und Gemeinden einher. 

Abwanderung werde so weiter befördert. Vermehrt würden nun auch wieder Unternehmensstandorte geschlossen - wie jüngst das Haribo-Werk im sächsischen Wilkau-Haßlau. Zimmermann forderte die Stärkung der Tarifbindung, gleiche Bezahlung in Ost und West und eine Erhöhung des Mindestlohns.