Blubbernde Blasen in gelber zuckriger Flüssigkeit, schmeckt nach Orange. Foto: imago images /Panthermedia

Mitten im Herzen des Ruhrgebiets, in Essen, entstand 1929 die erste Abfüllanlage für Coca-Cola in Deutschland. Die dunkle Brause in Flaschen wurde hier schnell zum Verkaufsschlager. Doch als während des Zweiten Weltkrieges die Inhaltsstoffe nicht mehr geliefert werden durften, dachten die Mitarbeiter der deutschen Tochter des US-Konzerns über Alternativen nach.

Und so entwickelte der Chefchemiker Wolfgang Schetelig 1940 ein Ersatzprodukt mit verfügbaren Zutaten: Molke – die bei der Quark- und Käseproduktion anfällt – und Apfelfruchtfleisch. Allerdings hatte die Rezeptur von damals geschmacklich mit dem heute bekannten Softdrink nur wenig gemein.

Der Name Fanta war das Ergebnis eines Mitarbeiter-Wettbewerbs. Dennoch gibt es über die Namensherkunft verschiedene Theorien. Einige glauben, der Name Fanta entstand als Kurzform von „fantastisch“ oder wurde von dem Wort „Fantasie“ abgeleitet. Andere wiederum vermuten, die Wahl erfolgte aus lautmalerischen Gründen, da das Wort Assoziationen mit einem Erfrischungsgetränk nahelege. Vermutlich setzte sich der Begriff „Fanta“ aber einfach deswegen durch, weil er in fast allen Sprachen einfach auszusprechen ist.

Neben Fanta gehören zur Coca-Cola-Company noch die Getränke Lift, Sprite und Bonaqua Foto: imago/Rust

Als nach Kriegsende in Deutschland wieder Coca-Cola hergestellt werden durfte, war Fanta inzwischen so bekannt und beliebt, dass sie auch weiterhin angeboten wurde. Der große Coup gelang schließlich Mitte der 1950er-Jahre in Italien. Ein Flaschenabfüller von Coca-Cola in Neapel hatte unter Verwendung lokaler Zutaten eine neue „Fanta Orange“ entwickelt. Die Firmenbosse in Atlanta waren davon so begeistert, dass sie die Orangenlimonade weltweit vermarkteten. Unter der Bezeichnung „Fanta klar“ kam die Rezeptur 1959 auch in den bundesdeutschen Handel, ab 1964 ersetzte die bis heute bekannte trübe Orangenlimonade die klassische Molke-Fanta.

Vor einigen Jahren sorgte ein Reklamespot der Coca-Cola Company allerdings für einen Eklat: Allzu sorglos hatten Werbefilmer in ihrer Brause-Euphorie getextet: „Um diese deutsche Ikone zu feiern, bringen wir das Gefühl der guten alten Zeit zurück.“ Dabei wurde wohl „vergessen“, dass die „gute alte Zeit“ mitten im Zweiten Weltkrieg lag, der Millionen Opfer forderte. Nach massiver Kritik und einem Shitstorm im Internet wurde der Spot zurückgezogen. In einer überarbeiteten Version war von „der guten alten Zeit“ keine Rede mehr.

In einer Stellungnahme erklärte Coca-Cola, der Begriff sei nicht auf die Nazi-Ära gemünzt gewesen: „Vielmehr wollten wir an die Kindheit vieler Kunden erinnern … Coca-Cola distanziert sich in jeder Form von der Nazizeit.“ Die Rolle der deutschen Niederlassung des US-Softdrink-Giganten im Dritten Reich bleibt dennoch zweifelhaft. Geschäftsführer Max Keith pflegte gute Kontakte zu den damaligen Machthabern und belieferte 1936 die Berliner Olympischen Spiele massenhaft mit der US-Brause. Mittlerweile wird Fanta auf der ganzen Welt täglich mehr als 130 Millionen Mal konsumiert. Das Erfrischungsgetränk „Made in Germany“ gibt es in fast 200 Ländern.