Ärzte und Pflegepersonal überprüfen die Werte eines älteren Patienten auf der Intensivstation eines Krankenhauses im Rom. Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa

Italien könnte in diesem Jahr so viele Tote verzeichnen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. „Dieses Jahr werden wir leider mit leichtem die Grenze von insgesamt 700.000 Toten übertreffen“, sagte der Präsident der italienischen Statistikbehörde Istat, Gian Carlo Blangiardo, am Montag im Fernsehsender Rai 3. Das sei ein besorgniserregender Wert, denn zuletzt hätte Italien diese Zahlen im Jahr 1944 erreicht – zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Geburtenrate des Mittelmeerlandes sank von 420.000 in 2019 auf 400.000 in diesem Jahr.

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Italien wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Die Gesundheitsbehörden verzeichneten bislang rund 1,86 Millionen Corona-Infektionen und mindestens 65.000 Menschen, die mit einer Infektion gestorben waren.

Eine historische Übersterblichkeit hat sich auch in Schweden gezeigt. In dem skandinavischen Land sind im vergangenen Monat so viele Menschen gestorben wie in keinem November der letzten 100 Jahre. Während die Corona-Zahlen stark zugenommen haben, starben im November 2020 insgesamt 8088 Menschen in dem EU-Land mit seinem viel beachteten Corona-Sonderweg. Dies entspreche einer Übersterblichkeit von zehn Prozent im Vergleich zu den entsprechenden Monaten 2015 bis 2019, teilte die schwedische Statistikbehörde (SCB) am Montag mit.

Schweden: So viele Tote wie bei Ausbruch der Spanischen Grippe 1918

„Das ist die höchste gemessene Anzahl an Todesfällen in einem November seit 1918. Das war das Jahr, in dem die Spanische Grippe ausgebrochen ist“, erklärte der SCB-Bevölkerungsstatistiker Tomas Johansson. Damals seien im November 16.600 Menschen in Schweden gestorben. Der Höchststand seit 2000 stamme aus dem Jahr 2002, als 7720 Todesfälle registriert worden seien.

In Deutschland fehlen bislang verlässliche Daten darüber, ob es zu einer signifikanten Übersterblichkeit gekommen ist. Auf die Frage, ob in der Corona-Pandemie mehr Menschen in Berlin und Brandenburg gestorben sind, sagte Holger Leerhoff von der Stabsstelle Querschnittsanalysen und Digitale Transformation am Montag bei der Vorstellung des Jahrbuchs 2019 und eines Corona-Dossiers in Potsdam: „Dass es viele Corona-Tote gibt, ist klar.“ Allerdings lasse sich anhand der aktuell vorliegenden Daten bis Mitte November bislang weder von einer Übersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren sprechen noch davon, dass die Zahlen gleich geblieben seien, so Leerhoff. Verlässliche Angaben könne es nach Angaben des Statistikamtes frühestens nach Weihnachten geben. Verglichen wurden die Zahlen aus diesem Jahr mit denen der vergangenen drei Jahre.