Langsam rollt der Verkehr auf der Autobahn A2 nahe der Autobahnbrücke Lämershagen in beiden Richtungen. Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende zuvor die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil mehr als 16 Stunden lang in ihren Autos ausharren.  Foto: dpa/Friso Gentsch

Das nächtliche Schneechaos auf der A2 ist aus Sicht der Autobahn GmbH Westfalen maßgeblich durch Lastwagenfahrer mitverursacht worden, die sich nicht an das Autobahn-Fahrverbot bis 22.00 Uhr gehalten haben. Viel zu viele Lastwagenfahrer hätten das Verbot missachtet, sagte Autobahn-Sprecher Bernd Löchter am Dienstag in Hamm. Die Aufhebung des Verbots ab 22.00 Uhr habe die Situation dann auch nicht mehr deutlich verschlimmert. „Staus hatten wir ja da schon. Da hatten wir schon Not durchzukommen. Insofern war es da eigentlich schon zu spät.“ Bis zum frühen Morgen war der Stau auf der A2 auf 70 Kilometer angewachsen. Hunderte Brummi-Fahrer mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen.

Jetzt lesen: Schneewalze - Hunderte stecken nachts auf der Autobahn fest >>>

Nach Überzeugung eines Branchensprechers konnten Fahrer die Verbote teils gar nicht verstehen. „Schuld ist bei vielen ein Kommunikationsproblem, wenn auf diese Fahrverbote nicht reagiert wird“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, Martin Bulheller. Ukrainische, weißrussische, kasachische Fahrer könnten Schilder in lateinischer Schrift vielfach gar nicht lesen, geschweige denn deutsche Verkehrsdurchsagen verstehen. Mehr als 40 Prozent der Lastwagen in Deutschland kämen aus dem Ausland, vielfach mit Fahrern aus diesen osteuropäischen Ländern.

Kein Fahrer fahre freiwillig in einen nächtlichen Dauerstau. Wer rechtzeitig anhalten wolle, brauche allerdings auch einen Parkplatz. Schon in normalen Zeiten fehlten bundesweit 35.000 bis 40.000 Lastwagen-Parkplätze. In der Schneenacht seien die Parkplätze überfüllt gewesen. „Wo sollten die Lkw denn hin?“, fragte Bulheller.

Ab 22.00 Uhr war das Fahrverbot in der Nacht aufgehoben worden. Grund seien Informationen gewesen, dass die starken Schneefälle nach Norden wegzögen, sagte Autobahn-Sprecher Löchter. Die Behörde habe keinen Grund mehr gesehen, ein Lkw-Verbot aufrechtzuerhalten, zumal die Not der Spediteure groß sei, fahren zu müssen, um ihre Lieferketten und Termine einzuhalten. „So ein Verbot hält man nicht länger aufrecht als unbedingt nötig“, sagte Löchter. „Die haben hier im Sekundentakt angerufen, ich habe Telefonate mit Polen, mit Holland geführt.“

Bei so schweren Schneefällen wie in der vergangenen Nacht stoße jeder Winterdienst an seine Grenzen, sagte Löchter. Irgendwann seien Schneedecken festgefahren, sodass auch Salz nicht mehr weiterhelfe. Die 440 Einsatzkräfte der Autobahnmeistereien in Westfalen arbeiteten an der Belastungsgrenze, sagte der Sprecher. Aber wenn Lastwagen quer stünden und die Fahrbahn blockierten, könnten sie nichts ausrichten.

Die Auffahrten auf die A2 in Ostwestfalen waren auch am Dienstagmittag gesperrt. Nach Angaben der Polizei sollen die Räumdienste nach dem heftigen Schneefall der letzten Tage die Spuren räumen und Eisreste beseitigen. Der Verkehr fließt demnach wieder in beide Fahrtrichtungen. Dafür staut es sich jetzt aber auf den Zufahrtsstraßen zur A2.