Er stalkte eine junge Frau aus Hannover so lange, bis er sie im vergangenen Januar schlussendlich tötete. Foto: dpa/Ole Spata

Die Statistik klingt dramatisch und genau das ist sie auch. Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine (Ex-)Partnerin umzubringen. Jeden dritten Tag gelingt es einem. So bezahlte auch eine 23-jährige Frau aus Hannover einen Kontakt mit einem Mann aus Dessau im vergangen Jahr mit ihrem Leben, schlicht weil sie eine Frau war und ihn zurückwies. Der 35-Jährige stalkte und tötete sie letztendlich. Nun steht er vor Gericht.

Staatsanwältin Wiebke Gratz forderte am Freitag im Landgericht Hannover eine lebenslange Haft für den Stalker aus Sachsen-Anhalt.  Auch solle die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, sagte sie. Die Tat habe sich anhand der Beweise rekonstruieren lassen, auch wenn der 35-Jährige in der Verhandlung nicht gestanden habe.

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Von einem „Alptraum“ sprach die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Es seien weder eine Hemmschwelle noch ein Zögern zu erkennen gewesen, nur ein „unbedingter Tötungswille“. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist der Mann überführt, die junge Frau „planvoll und heimtückisch“ getötet zu haben. Der 35-Jährige soll im Januar 2020 in die Wohnung der 23-Jährigen eingedrungen sein und sie mit einem Klappmesser erstochen haben.

Außerdem soll er ihr mehrmals ins Gesicht geschlagen und sie mit einem Elektroschocker und Pfefferspray gequält haben. Die beiden Deutschen hatten sich im Juli 2017 kennengelernt - das Opfer wollte aber einen rein freundschaftlichen Kontakt. Der 35-Jährige fühlte sich zurückgewiesen. Ab Dezember 2017 kam es zu Stalking-Angriffen, der Mann soll begonnen haben, die 23-Jährige in sozialen Netzwerken, aber auch telefonisch und persönlich zu belästigen und ihr nachzustellen.

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Die Mutter sagte, die 23-Jährige sei ihr „einziges Kind, ihre kleine Familie und ihr ganzes Glück und Lebensinhalt“ gewesen. Der Angeklagte habe „kalt und menschenverachtend“ in wenigen Minuten das Leben ihrer Tochter und ihr eigenes zerstört.

Einen Tag nach dem Verbrechen stellte sich der Mann in Dessau in Sachsen-Anhalt der Polizei und gestand. Im Prozess äußerte sich der Mann dagegen nicht zu der Tat. Das Plädoyer der Verteidigung soll im Februar folgen. Erst dann soll ein Urteil gesprochen werden.