Der Fall Katrin Konert aus Niedersachsen ist auch 19 Jahre nach  ihrem Verschwinden noch nicht aufgeklärt. dpa/Hans-Jürgen Wege

Für Eltern gibt es wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn ihr Kind spurlos verschwindet. Die Sorge und Ungewissheit macht ihnen zu schaffen und es gibt viele solche Fälle, wie Zahlen des Bundeskriminalamts zum  Tag der vermissten Kinder zeigen. Aktuell gelten in Deutschland 1800 Kinder als vermisst.

Dabei ist die Aufklärungsquote hoch. Erfahrungsgemäß erledigten sich etwa die Hälfte der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche, erklären die BKA-Experten. Binnen Monatsfrist betrage die Quote bereits über 80 Prozent. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewege sich bei nur etwa drei Prozent. Die Aufklärungsquote der Vermisstenfälle bei Kindern liegt laut BKA in Deutschland grundsätzlich bei weit über 90 Prozent. Falls ein Fall nicht aufgeklärt werde, bleibe die Personenfahndung bis zu 30 Jahren bestehen.

Einige von ihnen, wie Manuel Schadwald oder Sandra Wißmann, die beide im Alter von 12 Jahren in Berlin verschwanden, sind inzwischen volljährig und werden in einer anderen Statistik geführt. Doch die Suche nach ihnen wird ebenso fortgesetzt, wie die nach der kleinen Inga G. aus Stendal, die im Mai 2015 im Alter von fünf Jahren verschwand.

Sandra Wißmann (l.) wurde zuletzt am 28. November 2000 in Neukölln  gesehen. Da war sie 12 Jahre alt. Am 2. Mai 2015 ging Inga G. (Mitte) mit anderen Kindern im Wald bei Stendal Holz suchen. Sie kam nie zurück. Manuel Schadwald (r.) verschwand am 24. Juli 1993 im Alter von 12 Jahren auf dem Weg zur Wuhlheide.
Polizei

„Das ist mit die schwerste Situation, die man aushalten muss“, sagt die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, Bianca Biwer, über Eltern, deren Kind verschwunden ist. Etwa 99 Prozent der vermissten Kinder und Jugendlichen kämen zwar schnell zurück. „Aber für die anderen ist das natürlich dramatisch“, sagte Biwer. „Sie brauchen eine lange Begleitung und psychologische Unterstützung, mit der Situation umzugehen.“

Der Weiße Ring unterstützt Eltern vermisster Kinder

Denn dazu komme bei vielen „eine immer wiederkehrende vernichtende Enttäuschung“. So gebe es Elternteile, die auch nach 30 Jahren noch immer bei jedem Klingeln des Telefons oder an der Tür hofften, dass es das verschwundene Kind sei. Der Weiße Ring betreue eine zweistellige Zahl von Opfern, deren Kinder vermisst werden, manche schon sehr lange. Diese Menschen müssten „stabilisiert werden, trotz der Situation noch ein eigenes Leben leben zu können. Das ist schwierig für die Betroffenen.“

Wenn ein Kind verschwinde, sagt Biwer, spielt Zeit eine große Rolle. Je früher eine große Öffentlichkeit eingeschaltet wird, umso größer ist die Chance auf einen guten Ausgang.