Gleich nach dem Mord im November 2019 zeigten die Nachbarn ihr Mitgefühl mit der Mutter, deren Tochter  den kleinen Nikolas getötet hatte, weil sie sich benachteiligt fühlte. Foto: dpa

Detmold - Sie kam nach Hause und fand ihren kleinen Sohn schlafend im Bettchen. Agnieszka P. (46) sah dann rote Farbe. Bestimmt hatten die Kinder mit Buntstiften gespielt. Sie drehte das Kind um – alles voll Blut. Der dreijährige Nikolas war tot, ermordet von seiner 15-Jährigen Schwester Oliwia.

Erst dann entdeckte Agnieszka P. die fürchterliche Botschaft, die ihre Tochter an der Wand des Kinderzimmers hinterlassen hatte – geschrieben mit dem Blut des kleinen Jungen: „Ich habe das gemacht, weil ich ihn hasse und er mir Mutter und Oma genommen hat.“ Das passierte 2019. Mitte April beginnt nun der Mordprozess gegen die 15-Jährige aus Detmold.

Seit der Tat hat Agnieszka P. ihre Tochter nicht mehr gesehen

Seit dem Tattag hat die Mutter Oliwia nicht mehr gesehen. Sie haben sich nur Briefe geschrieben. Oliwia hat sich entschuldigt. In zwei Wochen hat Agnieszka P., die inzwischen bei ihrer Mutter wohnt, einen Besuchstermin in der Haftanstalt, in der ihre Tochter einsitzt.

Jetzt war sie das erste Mal wieder in der alten Wohnung. Kann sie verzeihen? „Ja“, sagt sie. „Sie ist doch noch ein Kind. Vielleicht wollte sie das gar nicht wirklich. Ich liebe sie über alles. Ich würde ihr gerne zur Seite stehen und sie umarmen.“ Eines hat die schlimme Tat nicht zerstören können: Agnieszkas Mutterliebe.