Die Flüchtlingszelte im Camp Kara Tepe auf Lesbos. Foto: Imago/Zuma wire

Rund 130 anerkannte Flüchtlinge werden am kommenden Mittwoch direkt von Lesbos nach Deutschland gebracht. Dies geht aus einem Bericht der griechischen Zeitung Naftemporiki hervor. Demnach sollen die Migranten per Charterflug nach Hannover transportiert werden. Mehr als 30 Familien sollen sich unter den Flüchtlingen befinden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur APE-MPE soll die überwiegende Mehrheit der Migranten aus Afghanistan stammen. Andere kommen aus dem Iran und dem Irak.

Die Überstellung der Flüchtlinge erfolgt im Rahmen des Abkommens zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis. Demnach sollen insgesamt 1533 Flüchtlinge aus Griechenland nach Deutschland gebracht werden, nachdem das Flüchtlingslager Moria zerstört wurde. 333 dieser anerkannten Flüchtlinge befinden sich bereits in der Bundesrepublik.

Mehr als 7000 Menschen leben bei Minusgraden in unbeheizten Zelten

Das Gezerre um die Aufnahme der Flüchtlinge geht bereits seit dem Spätsommer, als das Flüchtlinglager Moria auf der Insel Lesbos in Flammen aufgegangen war. Nur wenige Flüchtlinge aus dem Überfüllten Elendslager wurden bereits auf andere Staaten verteilt oder aufs griechische Festland gebracht. Der überwiegende Teil der Schutzsuchenden lebt seither in provisorischen Zelten im Lager Kara Tepe auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz und unwürdigen Bedingungen. 

Während Griechenminister Mitarakis kürzlich beteuerte, dass das Lager weitgehend winterfest sei, widersprechen Helfer vor Ort energisch. „Das muss man heftig dementieren“, sagte beispielsweise die österreichische Helferin Doro Blancke dem Standard. Sie ist seit September auf der Insel und darf als Helferin – anders als viele Journalisten – regelmäßig in das Lager, um Sachspenden zu verteilen. Ihr Urteil: Winterfest ist hier nichts.

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Dem Blatt berichtet Blancke, dass noch immer Sommerzelte auf dem Gelände direkt am Meer stehen. Lediglich der Boden sei winterfester gemacht worden. Schotter sei aufgeschüttet worden. Doch Heizungen gebe es weiter nicht, berichtet sie. Für das ganze Camp – hier leben etwa 7500 Menschen, darunter 2500 Kinder – gebe es nur zwei Generatoren für die Stromversorgung. Um das Netz nicht zu überlasten, seien Heizstrahler, Wasserkocher und Elektrische Kochtöpfe verboten, berichtet sie. Alle Bewohner müssten sich 250 Duschen teilen, aus denen nicht immer warmes Wasser komme. Auch gebe es für viele Menschen oft keine warme Mahlzeit am Tag. „Also zu sagen, es ist winterfest, ist schon sehr zynisch“, so Blancke.

Derweil ist auch der Winter längst in Griechenland angekommen. Es gebe Regen, oder Schneeregen auf Lesbos. Bilder und Videos aus dem Camp zeigen, wie Toiletten durch Stürme umgeworfen werden. Immer wieder sammeln sich auf dem Boden und in den Zelten Wasserlachen. In den kommenden Nächsten ist Frost auf Lesbos angesagt. Wärmen können sich die Bewohner von Kara Tepe, dass sie nur Moria2 nennen, nicht. Und ein Ende ihres Leidens scheint sich bei der EU auch nichts abzuzeichnen.

Auch deshalb mehren sich Stimmen, die sagen, die EU will die Zustände im Camp Kara Tepe gar nicht verbessern. Im Dezember sagte Stephan Oberreit, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland dem KURIER, dass die Zustände eine Fortsetzung einer „gesundheitsschädigenden Abschreckungspolitik“ seien. Grenzschutz auf Kosten von Menschenleben.