Am Eingang wird Fieber gemessen und Verdachtsfälle gleich zu erkennen. Foto: dpa

Heute schon gegrillt? Dann war hoffentlich keine Bratwurst von Westfleisch dabei. Denn das Coronavirus hat sich in dem Coesfelder Betrieb der Firma Westfleisch ausgebreitet. 129 Infizierte waren erfasst worden. Von ihnen sind 13 ins Krankenhaus gekommen.

Nach Erfassungen des Robert Koch-Instituts (RKI) ist in Coesfeld damit der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschritten worden. Er lag am Freitag bei 52,7. Die Landesregierung nehme die Lage „sehr ernst“, sagte ein Sprecher. Deshalb habe das NRW-Gesundheitsministerium die Bezirksregierungen angewiesen, unverzüglich alle Beschäftigten von Schlachtbetrieben testen zu lassen.

Immer mehr Corona-Fälle in der Fleischindustrie

Insbesondere müssten Mitarbeiter getestet werden, die mit einem Werkvertrag beschäftigt seien. Zu den Maßnahmen gehört auch die Kontrolle ihrer Unterkünfte. Hygienischen Defizite werden nachgebessert. Ein Westfleisch-Sprecher: „Alle Infizierten, die nicht im Krankenhaus liegen, und ihre Kontaktpersonen befänden sich in häuslicher Quarantäne. Am Werkstor wird kontaktlos Fieber gemessen.“ Das Unternehmen stehe in engem Kontakt mit den Behörden. Vorsorglich wird der betroffene Schlachtbetrieb in Coesfeld vorübergehend geschlossen. Das teilte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag in Düsseldorf mit.

In Deutschland werden inzwischen vermehrt Coronavirus-Infektionsketten in der Fleischindustrie festgestellt. Bislang sollen nach Informationen des Spiegel mehr als 600 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden sein. Meist hätten sich rumänische Werkvertragsarbeiter angesteckt, die oft in Gemeinschaftsunterkünften lebten.

Demnach wurden auch beim baden-württembergischen Produzenten Müller Fleisch in den vergangenen Wochen etwa 300 Infizierte registriert. In Schleswig-Holstein sind bis Donnerstag 109 Mitarbeiter des Schlachthofs in Bad Bramstedt positiv auf das neuartige Virus getestet worden, so der Kreis Segeberg.

Die Fassade von Westfleisch in Coesfeld.  Dem besonders vom Coronavirus betroffenen Kreis Coesfeld drohen als erstem in Nordrhein-Westfalen neue Beschränkungen in der Pandemie. Foto: dpa