Ein Vater wollte die Vergewaltigung seiner Tochter rächen. Die Polizei konnte ihn in letzter Sekunde vom Lynchmord abhalten. imago/Insidefoto

Was ist nur los? Ein Mädchen aus dem italienischen Bologna, gerade einmal zwölf Jahre alt, verhält sich plötzlich komisch. Von einem Tag auf den anderen ist sie zurückgezogen, isst kaum noch, hat Angst, auf die Straße zu gehen. Als ihr Vater sie immer wieder drängelt, mit der Sprache herauszurücken, gesteht sie das Unfassbare: Ihr Nachbar hatte sie missbraucht. Was für ein Horror! Als ihr Vater sie rächen will, kommt die Polizei in letzter Sekunde – um einen Lynchmord zu verhindern und den Sexualstraftäter festzunehmen.

Geschockt von dem Grauen, das der 30-jährige Täter seiner Tochter angetan hat, trommelt der Vater Freunde und Verwandte zusammen. Sie wollen den Mann zur Rede stellen. Es eskaliert. Der Mob zieht den Nachbarn aus seinem Haus auf die Straße: Tritte, Schläge, Beleidigungen!

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Anwohner sehen die Szenen, rufen die Polizei. Die rettet den mutmaßlichen Vergewaltiger in letzter Sekunde vor einem Lynchmord, nimmt ihn fest und untersucht sein Handy. Unfassbar: Er hatte Bilder vom Missbrauch auf seinem Handy gespeichert.

Bologna ist Hochburg für sexuelle Gewaltverbrechen

„Sie war einverstanden, wenn sie nicht gewollt hätte, hätte ich nichts getan“, rechtfertigt sich der Kinderschänder laut La Stampa. Nach einer Behandlung im Krankenhaus sitzt er jetzt in Untersuchungshaft. Er sei erst vor kurzem in die Stadt gezogen, nachdem er aus seiner vorherigen Heimat wegen eines ähnlichen Falls vergrault worden war. Das Verfahren dort soll laut La repubblica noch laufen. 

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Das Mädchen wird von Ärzten und Psychologen betreut. Welche Konsequenzen auf den Vater und seinen Mob warten, bleibt vorerst unklar.

Bologna gilt als Hotspot für sexuelle Gewaltverbrechen in Italien. Klar, dass der Fall auch die Politik beschäftigt. „Es ist eine weitere sehr traurige Bestätigung des ersten Platzes Bolognas in Italien für sexuelle Gewalt“, erklärt Bolognas Sicherheitsmanager Matteo Di Benedetto. „Die Nachricht ist dramatisch. Zuallererst muss die Solidarität aller dem Kind gelten, das Gewalt erlitten hat“, kommentiert Andrea De Maria, Abgeordnete der Demokratischen Partei. „Wer ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt, hat kein Recht auf mildernde Umstände und muss für sein Verbrechen bezahlen.“