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Alte Bekannte „recycelt“: Gehen dem „Tatort“ die Schauspieler aus?

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) befragen den Polizisten und Augenzeugen Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker).

Foto:

dpa

Köln -

Gehen dem „Tatort“ die Schauspieler aus?

Nachdem schon im vorletzten Fall Ex-Kommissar Roland Koch als Verdächtiger „recycelt“ wurde (hier mehr zu dem „Tatort" lesen), taucht jetzt auch im neuen Kölner Fall von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär alias „Ballauf und Schenk“ ein gleich mehrfach alter Bekannter auf.

Roeland Wiesnekker, der von 2015 bis 2016 als Chef und Kommissariatsleiter „Henning Riefenstahl“ die Frankfurter Kommissare Margarita Broich und Wolfram Koch alias „Janneke“ und „Brix“ beaufsichtigte, hat einige Dienstgrade verloren – und taucht jetzt in „Weiter, immer weiter“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) als Kölner Streifenpolizist „Frank Lorenz“ in einer Hauptrolle wieder auf.

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WDR bricht bei „Tatort“ ungeschriebenes TV-Gesetz

Dafür bricht der WDR die eigenen Regeln, die einst der inzwischen beurlaubte Ex-„Tatort“-Koordinator und WDR-Fernsehfilmchef Prof. Gebhard Henke aufstellte: Kein „Tatort“-Kommissar sollte in einem anderen TV-Krimi einen Polizei-Ermittler spielen. „Ein ungeschriebenes TV-Gesetz seit Jahrzehnten“, bestätigte auch Krimi-Experte Francois Werner („Tatort-Fundus“) unserer Zeitung.

Und: Der Züricher verließ den Frankfurter „Tatort“ auch deshalb, um glaubwürdig in der ARD-Reihe „Der Prag-Krimi“ den Kommissar „Jan Koller“ spielen zu können. In dieser Rolle war er erst vor knapp vier Wochen in einem neuen Fall zu sehen.

Ein Schauspieler, drei Polizisten! Zudem besteht auch bei Zuschauern, die nur den Kölner Krimi kennen, akute Verwechslungsgefahr – denn seine neuen Polizei-Kollegen Bär und Behrendt haben Wiesnekker vor zehn Jahren schon mal als Mörder verhaftet.

Im Fall „Mit ruhiger Hand“ spielte er den Schönheitschirurgen „Prof. Gann“, der seine eigene Frau ermordete. Dazu tauchte er 2012 in „Fette Hunde“ nochmal als Mann von Ex-Assistentin Anna Loos alias „Lissy Brandt“ wieder auf.

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„Tatort“-Zuschauer können die Übersicht verlieren

Es ist also auch schon sein dritter Auftritt im Kölner „Tatort“ – unter drei verschiedenen Identitäten. Insgesamt spielt er damit in seinem zehnten „Tatort“ – davon drei in Köln. Dazu spielte er 2005 einen Disco-Besitzer in einem Münchner Fall, 2010 einen Vater, dessen Tochter ermordet wird – und 2014 einen fiesen Müll-Paten in Bremen.

Nun ist es unbestritten, dass der mehrfach preisgekrönte Theater-Star Wiesnekker (u.a. am Schauspielhaus Bochum groß geworden) fast jeden TV-Film aufwertet – auch hier verleiht er dem einfachen Streifenpolizisten viel Tiefe. „Wenn Schauspieler mehrere Kommissare oder Ermittler in verschiedenen Filmen spielen, können die Zuschauer schon mal die Übersicht verlieren“, erklärte Werner.

Wiesnekker selbst ficht das nicht an. „Mich interessiert genau diese Mischung an Figuren, ich glaube die Zuschauer auch“, sagte er uns. Und Kollege Dietmar Bär sieht’s ähnlich: „Es war ein großes Vergnügen, wieder mit unserem Schauspiel-Kollegen Roeland Wiesnekker für den ,Tatort‘ vor der Kamera zu stehen“, erklärte er. Mit der Betonung auf wieder.