Tinder, Bumble, OK Cupid: Dating-Apps sind im Lockdown beliebt wie nie. Doch was bringen sie wirklich? Foto: Imago/McPHOTO

Als Single ist es derzeit langweilig bis schwer bis verdammt einsam. Bars und Kneipen sind geschlossen, die Clubs dieser Stadt verbarrikadiert. Kontakt- und Reiseverbote kommen noch dazu. Kurz gesagt: Jemanden kennenzulernen, ist im Lockdown nahezu unmöglich. Die einzige Möglichkeit sind Dating-Apps, ob man will oder nicht. Und auch Menschen, die derlei Apps und vor allem deren Nutzer bislang eher mitleidig belächelt haben, tindern mittlerweile um die Wette. So auch die Autorin dieser Zeilen. Und siehe da, Überraschung: Wenn man sich erst mal auf die digitale Flirt- und Datingwelt eingelassen hat, macht es tatsächlich Spaß.

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Grundsätzlich lässt sich nach unzähligen Swipes sagen: Tinder ist die einfache Suche nach einem unkomplizierten Sexdate. Bumble bedeutet ein Date mit der Option auf mehr. Und Ok Cupid hilft bei der Suche nach einer echten Beziehung.

Tinder

Tinder hat zunächst ein Imageproblem. Es soll für Sex gut sein, für tiefergehende Beziehungen eher nicht. Verifizieren kann man sein Profil allerdings. Man schickt ein Selfie an Tinder, das dann von Mitarbeitern überprüft wird. Die Verifikation soll künftig sogar von künstlicher Intelligenz übernommen werden.

Häufig wird das Tinder-Profil gelöscht und dann in einsamen Stunden doch wieder installiert. Wer sich – wie die Autorin – neu anmelden möchte, hat zunächst Probleme, das über sein Facebook-Konto zu verknüpfen. Der Versuch über die Handynummer funktioniert unkompliziert. Das Hinzufügen von zwei obligatorischen Fotos ist schon wieder problematischer, denn die Galerie öffnet sich nicht. Das Licht ist leider gerade nicht ideal – egal.

Ich habe die Auswahl zwischen der Standard-Version von Tinder, Tinder Plus, Tinder Gold und Tinder Platin. In der Standardversion kann ich nicht so oft nach rechts swipen, wie ich möchte - und verpasse somit womöglich den passenden Kandidaten. Tinder Plus hingegen verspricht mir unter anderem unbegrenzte Likes für 8,99 Euro im Monat.

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Mit Tinder Gold für 27,49 Euro kann ich bereits vor dem Swipen sehen, wer mich mag. Das ist überaus praktisch, denn der andere bekommt schon allein dadurch Aufmerksamkeit, dass er mich mag. Tinder Platinum verspricht eine erstklassige „Dating-Erfahrung“ für 32,99 Euro im Monat. Man kann Swipes zurücknehmen, was ebenfalls praktisch ist, weil man manchmal auch nur aus Versehen oder mit dem Mut einer Flasche Weißwein nach rechts wischt.

Tinder ist also etwas für diejenigen, die bereit sind, viel Geld in ihre Dating-Erfahrung zu investieren. Wer Tinder Gold googelt, bekommt übrigens folgende Anzeige geschaltet: „Die Top-10-Seiten für Sextreffen.“

Bumble

Bumble ist ein Dauergast auf meinem Handy. Die App ist sympathischer als Tinder, denn man kann in seinem Profil mit Sätzen wie „Wir werden uns verstehen, wenn ...“, „Mein perfektes erstes Date ...“ oder „Etwas, das ich viel zu spät gelernt habe ...“ zumindest ganz grob einschätzen, wer und was womöglich auf einen zukommt. Auch in dieser App kann man sein Profil verifizieren lassen. In fact: Über Bumble habe ich bereits drei Dates gehabt, alle drei während des Lockdowns.

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Mann Nummer eins sah sehr gut aus. Der zweite Satz von ihm war allerdings schon so dämlich-arrogant, dass ich mich die nächsten zwei Stunden unseres Treffens im Treptower Park auf die schnatternden Enten und mein Wegebier konzentriert habe. Dumm, dass ich nicht so mutig bin wie eine Bekannte, die solche Dates immer mit den Worten abbricht: „Du, ich spüre den Vibe nicht.“

Mann Nummer zwei war etwas zu alt, zu stark tätowiert und für meinen Geschmack zu platt-forsch direkt nach dem ersten Date („Und, was sind so deine Vorlieben im Bett?“). Um das klarzustellen – ich bin Single und open-minded, aber dann auch bitte mit Charme.

Mann Nummer drei war ein Immobilienmakler, der mir sehr viel über Berliner Neubauten erzählen konnte. Spannend, aber ich wollte nichts kaufen, sondern vögeln. Hm. Summa summarum gab’s bei Bumble also eine ganz passable Quote für Lockdown-Dating.

Ok Cupid

Eine Freundin von mir traf sich zu Beginn der Corona-Pandemie über Zoom mit einer Dame, die sie über Ok Cupid kennengelernt hatte. Ihre Erfahrung war ernüchternd, weil das Gespräch mit dem Esprit einer Tagung geführt worden sei. Sexy geht anders. Einer anderen Freundin waren die Leute in der App zu „merkwürdig“.

Ich selbst habe die App dann auch heruntergeladen. Auf die Frage, nach welchen „Connections“ ich suche, kann ich mit Affäre, neue Freunde, Kurzzeit- oder Langzeitbeziehung antworten. Anschließend muss ich Fragen beantworten, die dann mit den Antworten potenzieller Matches abgeglichen werden.

Zum Beispiel: „Wie lange soll deine nächste Beziehung andauern?“ Mögliche Antwort: Eine Nacht, ein paar Monate, mehrere Jahre, den Rest meines Lebens. Oder: „Wie wichtig ist Gott in deinem Leben?“ Ok, etwas Tiefe – ja, das gefällt mir. Eine Studie der Schweizer Soziologin Gina Potarca von der Universität Genf hat Beziehungen miteinander verglichen, die entweder im Netz oder im echten Leben begannen. Unterschiede bei der Zufriedenheit der Befragten? Gab es keine.

Am Osterwochenende treffe ich übrigens einen Mann, den ich ganz klassisch über einen früheren Arbeitgeber kennengelernt habe. Mit ihm habe ich mich fast schon altmodisch verabredet – über WhatsApp.