Plötzlich steht er da:  Ex-Puhdy Dieter „Maschine“ Birr auf Kultur-Tour in der Kulturbrauerei. Foto: Davids/Sven Darmer

Berlin - Zwei Rocker und ein Schlager-Star: Der Auftritt der Herren Birr, Gogow und Schöbel mitten in der Prenzlberger Kulturszene ist schon recht außergewöhnlich. Haben sie etwa eine neue Band gegründet und treten nun auf? Nein, Maschine und Co. stehen dieses Mal nicht wie gewohnt im Rampenlicht. Sie sind im Kesselhaus, sitzen dort ausnahmsweise im Publikum, um ihrem Kumpel „Wölfi“ moralische Unterstützung zu geben, der auf der Bühne gerade aus seinem neuen Buch „Wie die Westmusik ins Ostradio kam“ (Bild und Heimat, 19,99 Euro) liest.

„Wölfi“ heißt eigentlich Wolfgang Martin und ist vor allem vielen Radiohörern aus dem Osten Berlins bekannt. Er moderierte im DDR-Radio Musiksendungen wie „Beatkiste“ oder „Notenbude“, war beim legendären Jugendsender DT64. Zuletzt war Martin Musikchef bei Antenne Brandenburg und kennt eigentlich fast jeden Ostrock-Künstler. Doch Birr, Gogow und Schöbel haben zu dem Radiomann eine ganz besondere Beziehung.

Freunde seit mehr als 40 Jahren

„Wölfi und ich kennen uns seit über 40 Jahren, er hat von Anfang an genau verfolgt, was die Puhdys machten“, sagt Maschine. „Wir kennen uns auch privat recht gut. Schließlich hat er vor sechs Jahren meine Biografie mitgeschrieben, weil ich zum Schreiben zu faul war. Das war eine perfekte Arbeitsteilung. Ich diktierte, Wölfi schrieb auf und formte alles gut zusammen.“

Auch Rocker Georgi Gogow, der bei dem City-Kracher „Am Fenster“ das legendäre Geigen-Solo spielt, hat dem Radiomann viel zu verdanken. Von dem Song, der 1974 in einem Adlershofer Jugendclub entstand, gab es nur eine Tonbandaufnahme. Die Band war zu jener Zeit noch ein Geheimtipp – bis eines Tages Wolfgang Martin ein City-Konzert hörte, sich das Tonband mit „Am Fenster“ besorgte, den elf Minuten langen Riemen in seiner Sendung „Notenbude“ spielte. Der Rest ist Geschichte. City wurde in der DDR bekannt. Für den Song und das gleichnamige Album „Am Fenster“ gab es später im Westen sogar die Goldene Schallplatte.

City-Geiger Georgi Gogow, Schlager-Star Frank Schöbel, Ex-Puhdy Dieter „Maschine“ Birr und ihr bester Freund: Radiomann Wolfgang Martin (2.v.r.) , der im Kesselhaus sein neues Buch über seine DDR-Rundfunkzeit vorstellte. Foto: Davids/Sven Darmer

Ja, und warum nun Frank Schöbel zur Buchlesung kam, hat einen ganz besonderen Grund. Er und Wolfgang Martin sind beste Kumpels und waren einmal Kollegen. Und das hat etwas mit der „Beatkiste“ zu tun. Sie war die erste Radiohitparade der DDR, die ab 1970 im Deutschlandsender, der später in „Stimme der DDR“ umbenannt wurde, lief. Frank Schöbel war der erste Moderator, Wolfgang Martin übernahm später die Sendung des Schlager-Stars.