Lutz Stückrath gehörte zu den beliebtesten Kabarettisten der DDR. Foto: ZB

Er gehörte zu den beliebtesten Kabarettisten der DDR. Lutz Stückrath, dessen Igelfrisur sein Markenzeichen war. Mit feinem Berliner Humor verstand er die Menschen zu begeistern, ob in der Distel oder später nach dem Mauerfall bei den Berliner Stachelschweinen. Seine legendären Auftritte als einer der „Drei Dialektiker“ in der DDR-Fernsehsendung „Ein Kessel Buntes“ in den 70er-Jahren machten ihn zum Star. Jetzt wurde bekannt, dass Stückrath nach langer schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben ist.

Wolfgang Flieder, Chef des Kabaretts Die Oderhähne in Frankfurt (Oder), bestätigte gegenüber dem KURIER den Tod des Kabarettisten und Schauspielers. „Seine Ehefrau hatte uns am vergangenem Wochenende mitgeteilt, dass Lutz am Donnerstag verstorben ist“, sagt der Intendant. „Unser letztes Telefonat führte ich mit ihm im Juli an seinem 82. Geburtstag, als Stückrath in Bad Saarow in einer Klinik lag. Über die Krankheit wollte er nie sprechen. Aber man merkte es an seiner Stimme, dass es ihm nicht so gut ging. Er sagte mir nur, dass selbst die Ärzte nicht genau wissen würden, was er habe.“

Flieder und Stückrath waren miteinander gut befreundet. „Wir lernten uns 1971 an der Distel kennen“, sagt der Oderhähne-Chef. „Ich verdiente mir als Bühnenarbeiter etwas für mein Studium dazu. Lutz war damals schon am Kabarett einer der Publikumslieblinge. Aber er zeigte nie irgendwelche Starallüren, sondern traf sich nach den Vorstellungen mit allen Distel-Mitarbeitern.“

Stückrath bezeichnete sich selbst als „echte Berliner Göre“. Bevor er zum Kabarett kam, war er Maschinenschlosser im Ost-Berliner Glühlampenwerk Narva. Als Stückrath 1959 als Zuschauer ein Gastspiel des Kabaretts Die Kneifzange erlebte, stand für ihn der Berufswechsel fest. Er holte sein Schauspielstudium nach, stand 1966 als Ensemblemitglied der Distel auf der Bühne.

Der große Durchbruch kam für Stückrath mit der DDR-Fernsehshow „Ein Kessel Buntes“ mit dem Komiker-Trio „Die Drei Dialektiker“. In der Truppe verkörperte ab 1972 der Leipziger Manfred Uhlig (starb 2019) einen vorwitzigen Sachsen, der Rostocker Horst Köppert (starb 2014) den besonnen Küstenbewohner und Stückrath den frechen Berliner. Ihre Rededuelle am Anfang jeder Sendung, in denen sie stets auch den DDR-Alltag heftig auf die Schippe nahmen, waren DDR-weit Kult. 1977 war damit dann Schluss. Die „Dialektiker“ hörten auf, weil sie sich nicht ihre Texte ändern lassen wollten, so wie es die Zensoren beim DDR-Fernsehen gerne gehabt hätten. „Die Jahre bei der Distel und beim Kessel gehörten zu den Höhepunkten meines Lebens“, sagte Stückrath später.

Das Ende der „Dialektiker“ war aber nicht das Ende der Karriere von Stückrath. In insgesamt 300 Rollen war der Berliner auf der Bühne, in Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. Zu den bekanntesten Werken gehörten „Der Baulöwe“ (1980 mit DDR-Komiker-Star Rolf Herricht) und „Meine Frau Inge und meine Frau Schmidt“ (1985). Aber auch in ernsten Rollen war Stückrath zu sehen – wie in dem Kriegsdrama „Erziehung vor Verdun“ (1973). Nach der Wende spielte der Berliner in vielen Fernsehserien wie „Der Landarzt“ oder „In aller Freundschaft“ mit.

Lutz Stückrath lebte mit seiner Frau Ute in Köpenick am Müggelsee.
Foto: SCHROEWIG/Eva Oertwig

„Er war ein Kollege mit Herz und Seele, es war ein Vergnügen, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Entertainerin Dagmar Gelbke (70). „Und Lutz war ein guter Lehrer, brachte mir als Kabarettistin-Neuling  bei, wie man etwa Pointen richtig setzen muss.“

Stückraths Tod sei ein großer Verlust für die deutsche Kabarettszene, so Oderhähne-Chef Flieder. „Alleine in unserem Haus in Frankfurt (Oder) arbeitete er über Jahre als Gast mit, inszenierte Stücke, spielte in mehreren mit.“ Am Kabarett Oderhähne beendete Stückrath 2017 seine 50-jährige Bühnenkarriere mit dem Stück „Aber jetzt ist Schluss“.