Die Kultband-Karat: Zusammen mit ihren Fans rocken sie die Corona-Krise weg. Foto: imago images/Hessland

„Albatros“, „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“: Seit 45 Jahren sind die Hits von Karat die Edelsteine in der deutschen Rockmusik. Nun sollte die große Geburtstagsparty in der Wuhlheide steigen. Doch wegen Corona fiel sie wie die meisten Konzerte der Jubiläumstour ins Wasser. Für die Band kein Grund, Trübsal zu blasen, so Gitarrist Bernd Römer (68). „Im Gegenteil, wir machen das Beste aus der Krise. Schließlich haben wir die besten Fans, die eine Band haben kann, die auch in schwierigen Zeiten treu zu uns stehen“, sagt der Musiker im KURIER-Gespräch.

Als Karat ihre Jubiläumstour vorbereitete, war an Corona noch gar nicht zu denken. Bereits im vergangenen Frühjahr schmiedete die Band erste Pläne. Einer der Höhepunkte sollte im September die Open-Air-Show in der Wuhlheide sein, wo Karat ihren 45. Geburtstag mit bis zu 17.000 Fans und Überraschungsgästen auf der Bühne feiern wollte.

Gitarrist Bernd Römer (68) ist seit 1976 bei Karat. Foto: imago-images/Krämer

„Für die Jubiläumstour waren insgesamt über 70 Konzerte geplant“, sagt Römer. „2020 hätte eines der besten Karat-Jahre werden können. Der Karten-Verkauf lief super. Viele Konzerte waren bis März bereits gut gebucht, manche sogar fast ausverkauft.“

Doch dann stoppte Corona den Kulturbetrieb, landesweit mussten Künstler ihre Auftritte absagen. Keine Konzerte, keine Einnahmen: Das galt auch für Karat, die ja nun auch ihren 45. Geburtstag nicht gebührend auf der Bühne feiern konnten. Stattdessen mussten abgesagte Shows ins kommende Jahr verlegt werden. „An dieser Stelle muss ich unseren Fans ein großes Dankeschön aussprechen. Denn der Großteil von ihnen behielt die gekauften Karten, es gab nur wenige, die sie zurückgaben“, sagt Römer.

Lesen Sie auch: Von wegen Rocker-Rente: So starten die Puhdys noch mal durch >>

Die Treue der Fans: Sie hat bei Karat Tradition. Die Fans standen in so manchen schwierigen Phasen fest zu den Musikern. Etwa, als 2004 nach schwerer Krankheit ihr Sänger Herbert Dreilich starb. Oder später, als Karat in einem Rechtsstreit um den Bandnamen kämpfen musste und diesen am Ende gewann. „Die Treue der Fans ist einer der Gründe, warum es Karat seit 45 Jahren gibt. So etwas schaffen nicht viele Bands“, sagt Römer.

Und von Corona lasse man sich schon gar nicht unterkriegen, auch wenn es den Musikern schwer fällt, kaum noch auf der Bühne stehen und spielen zu dürfen. „Natürlich ist diese Situation frustrierend“, sagt Römer. „Aber wir geben nicht auf, versuchen vom Musiker bis zum Management das Beste aus der Situation zu machen. Und so trifft sich die Band nach wie vor, machen mit den Proben weiter, um für Auftritte stets bereit zu sein.“

Jubiläums-Tour im kommenden Jahr

Auch wenn diese wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nur vor wenigen Leuten stattfinden können, wie etwa im August das Open-Air-Konzert auf dem Erfurter Domplatz, zu dem nur 500 Fans kommen durften. Oder das erste Karat-Auto-Konzert, das die Musiker im Mai ebenfalls in Erfurt gaben. „Das ist zwar für alle recht ungewöhnlich“, sagt Römer. „Doch die Konzerte sind ein wichtiges Signal, dass es weiter geht, vor allem für unsere Fans, die uns ja sehen wollen.“ Und sie werden bestimmt kommen, wenn am 19. September Karat in der Müritz-Stadt Röbel auftritt.

Bernd Römer, Martin Becker, Claudius Dreilich und Christian Liebig von Karat live beim Domstufen-Open Air 2020 auf dem Domplatz  in Erfurt. 
Foto: Imago images / Michael Kremer

Auf die große  Jubiläums-Tour werden allerdings Karat erst im kommenden Jahr gehen. „Ich hoffe, dass wir auch das Geburtstagskonzert mit Überraschungsgästen, so wie es in der Wuhlheide geplant war, in irgendeiner Form nachholen werden“, so Römer.

Ein Foto aus der Karat-Gründerzeit: Keyboarder Ulrich Ed Swillms, die Sänger Hans-Joachim Neumann und  Herbert Dreilich (AUT), Bassist Henning Protzmann, Gitarrist Bernd Römer uind Schlagzeuger Michael Schwandt (v.li.). Foto: imago-images/Gueffroy