Heldentenor René Kollo (82) macht künftig keine Opern, sondern singt Schlager. Foto: Gudath

Wer ihn trifft, sollte Richard Wagner und dessen Werke recht gut kennen. Wäre sehr vorteilhaft, glaubte der KURIER-Reporter, als er sich in Zehlendorf mit Weltstar René Kollo (82) auf ein Käffchen verabredete. Doch überraschend will der Sänger, der seit fünf Jahrzehnten zu den besten Heldentenören zählt, gar nicht über Opern plaudern. „Denn ich singe wieder Schlager!“, sagt er. Und der Grund dafür ist eine Frau, beichtet der Star.

Die Botschaft überrascht. Schließlich wurde Kollo in den berühmtesten Opernhäusern zwischen Berlin, New York und Tokio gefeiert. Noch immer verehrt man ihn für seine Gesangsleistungen in den über Stunden dauernden Wagner-Werken wie „Tannhäuser“, „Parsifal“ oder „Siegfried“, dessen Titelpartien das Können und die ganze Kraft eines Meistersängers abverlangen. Und nun will Kollo ins leichte Schlagerfach zurück? Kaum zu glauben!

Warum denn nicht, meint Kollo. „Ich bin jetzt an einem Punkt in meinem Leben, wo ich als Künstler zurück zu meinen Wurzeln möchte“, sagt er. „Schließlich begann meine Karriere nicht als Opern-Tenor, sondern als Schlagersänger.“

Genau genommen brachte ihn eine Dame auf den Erfolgsweg. „Ich war Anfang 20, machte sonnabends und sonntags in Berlin Tanzmusik. Davon konnte ich mich über die Woche ernähren“, erzählt Kollo. „Das änderte sich, als Mary Lou in mein Leben trat.“

Kollo erzählt, wie  Rüdiger Piesker vom Rias-Tanzorchester eines Tages zu ihm kam. „Er bot an, mit mir die deutsche Version von ‚Hello, Mary Lou‘ aufzunehmen.“ Der Song, der 1961 in der Version des US-Sängers Ricky Nelson ein Welt-Hit wurde, machte im selben Jahr Kollo in Deutschland bekannt. „Plötzlich ging ich mit dem Orchester von Max Greger auf Tour, zwei Monate später war ich auf der Abschiedstour von Zarah Leander dabei. Dank Mary Lou begann ich gut zu verdienen, konnte mir eine schöne Wohnung und ein Auto leisten.“

Und Kollo nahm Gesangsunterricht bei der Opernsängerin Elsa Varena. „Sie war eine brillante Lehrerin, die auch mein Talent für das klassische Fach förderte“, sagt der Star. 1965 beginnt Kollos Opern-Karriere. „Am Staatstheater Braunschweig ging es los, drei Jahre später sang ich schon bei den Bayreuther Festspielen als Steuermann im ‚Fliegenden Holländer‘ mit. Und so ging es weiter, von Erfolg zu Erfolg. Ohne Mary Lou wäre das nie passiert.“

Der weltweit gefeierte Opern-Star und KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke haben sich in enem Zehlendorfer Café getroffen. Foto: Gudath

Statt mit Opern-Arien will Kollo daher sein Publikum nun wieder mit Schlagern begeistern. Am liebsten würde er sofort auf die Bühne gehen, wenn die Corona-Krise nicht wäre. Vielleicht klappt es im kommenden Jahr, so Kollo. Hören kann man die Schlager, die er singen möchte, schon jetzt auf seiner aktuellen CD „Meine große Liebe“.

Für das Album nahm Kollo nicht nur den Mary-Lou-Hit neu auf. Kollo singt Coverversionen von Schlagern, die einst Udo Jürgens, Katja Ebstein oder Reinhard May erfolgreich zu Gehör brachten.  Auch deutsche Pop-Songs sind darunter, wie „Über sieben Brücken“, der Mega-Hit von Karat. „Ich finde diesen Text genial. Auch die Melodie, die schon fast klassisch ist und weit über einen Schlager oder einer Rocknummer hinausgeht“, schwärmt Kollo. Er würde sich jedenfalls freuen, mit Karat diesen Hit eines Tages gemeinsam auf der Bühne zu singen.