Drei Jahre und acht Monate muss Cem Y. (53) in den Knast. Pressefoto Wagner

Während andere die dreckige Kleinarbeit machten, saß Cem Y. (53) als Vermittler in der Türkei am Schreibtisch. Zwölf Jahre nach einem internationalen Koks-Schmuggel gab es nun Knast.

Als freier Mann betrat Y. den Gerichtssaal. Zehn Jahre lang wurde er mit Haftbefehl gesucht, saß unbehelligt in seiner türkischen Heimat. Bis er doch lieber wieder in Berlin leben wollte. Anfang Mai 2021 stellte er sich bei seiner Einreise nach Deutschland freiwillig – und blieb frei: Er wurde von Untersuchungshaft verschont.

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Jetzt wollte er wohl Mitleid schinden: „Weil ich Schulden hatte, haben sie von mir verlangt, Bestellungen aufzunehmen.“ Er habe E-Mails „zugeleitet“ – „mit der weiteren Organisation hatte ich nichts zu tun, auch nicht mit Gewinn“. Ihm seien im Gegenzug für seine Beteiligung seine Zocker-Schulden erlassen worden – „5500 Euro waren das“.

Kokain wurde per Express-Brief aus Argentinien nach Berlin geschickt

Der Schmuggel lief von Juni bis August 2009. Kokain wurde per Express-Brief aus Argentinien nach Berlin geschickt – jeweils in Portionen von 200 Gramm. Cem Y. soll von der Türkei aus den Kontakt zu den Lieferanten in Südamerika unterhalten und die notwendigen Daten an die Komplizen in Berlin geschickt haben.

Es lief konspirativ über verschiedene Adressen in Berlin. Zwei Mittäter in Berlin sammelten die Drogen-Post ein, um Koks in der Stadt zu verkaufen. Zwölf Fälle angeklagt. Davon kamen zwei Briefe geplündert an. Zwei weitere wurden von Drogenfahndern in Berlin abgefangen und beschlagnahmt.

Die Ermittler kassierten damals drei Berliner Täter ein. Sie erhielten vor genau elf Jahren Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis. Damals schilderten die drei Komplizen Cem Y. als Spiritus Rector. Dessen Verteidiger nun: „Es waren Falschaussagen, um sich Vorteile zu verschaffen.“

„Er stellte Kontakte her und vermittelte – der Saubermann, der sich nicht selbst die Hände schmutzig machte.“

Der Anwalt: „Er hat nie Kokain in der Hand gehabt.“ Also ein Schreibtischtäter – und dabei ein kleines Licht im großen Getriebe? Cem Y.: „Man erließ mir meine Schulden, dann wurden noch Zinsen verlangt.“ Die Leute in Argentinien habe er nicht gekannt. Und er habe sich eigentlich auch schon viel früher der Polizei in Berlin stellen wollen. Aber seiner Mutter sei es doch nicht gut gegangen: „Ich musste in meiner Heimat für meine Eltern sorgen.“

Inzwischen aber zieht es ihn zu seiner aus Polen stammenden Ehefrau: „Ich möchte einen Imbiss eröffnen.“ Jetzt arbeite er in Berlin auf dem Bau. Der Richter: „Ihr Aufenthaltsstatus?“ Cem Y.: „Ich habe keine Aufenthaltsgenehmigung.“ Sein Anwalt wedelte mit Arbeitsvertrag und Anmeldung bei der Kranken- und Rentenversicherung: „Er kann alle Dokumente vorlegen.“

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Auf Bewährung wegen Beihilfe zum Kokain-Schmuggel und Drogenhandel plädierte der Anwalt. Der Richter aber: „Man könnte sagen, er hatte den Schlüssel zu den Betäubungsmitteln in Argentinien.“ Er sei nicht der gewesen, der in Berlin vor Ort war und die dreckige Kleinarbeit machte. Der Richter: „Er stellte Kontakte her und vermittelte – der Saubermann, der sich nicht selbst die Hände schmutzig machte.“ Das Urteil: drei Jahre und acht Monate Gefängnis.