Ein T-Shirt mit dem Motiv des erstochenen Jungen. Foto: Pressefoto Wagner

Momo starb mit nur 13 Jahren. Gökhan Ü. (41) hatte ihm ein Messer ins Herz gerammt. Die Richterin: „Eine unheimlich feige Tat.“ Urteil: Zwölf Jahre Haft.

Schuldig des Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung. Ü. habe einen Streit begonnen. Weil Mohammed, genannt Momo, die Begleiterin von Ü. beinahe angerempelt hätte – aus Versehen.

Die Richterin: „Er wollte den Jungen maßregeln, ihm Respekt beibringen, ihn vielleicht ein bisschen bestrafen.“ Motiv aus Sicht des Gerichts: „Er wollte als Sieger vom Platz gehen.“ Es habe zuvor keine Angriffsversuche gegeben „und keinen Grund, ein Messer zu ziehen“.

Halloween. Gegen 22.30 Uhr am 31. Oktober war Momo mit drei Mädchen und drei Jungen unterwegs. Sie wollten zum Spree-Ufer, waren völlig entspannt.

Eine Situation, wie sie alltäglich ist

Im Tunnel zwischen James-Simon- und Monbijoupark – direkt unter der Stadtbahn – kamen ihnen Gökhan Ü. und seine Begleiterin entgegen. Auch sie eigentlich in Partystimmung – es war ihr zweites Date.

Weil Momo auf ein Handy schaute und vertieft war, hätte er die Begleiterin von Ü. beinahe angerempelt. Sie musste einen Schritt zur Seite machen. Eine Situation, wie sie alltäglich ist. Die Richterin: „Ü. aber begann einen Streit.“

Die Anwältin plädierte auf Freispruch und kündigte Revision an

Seine Begleiterin im Prozess: „Er hat krass überreagiert.“ Der Junge sei nicht aggressiv gewesen. Mehrere junge Männer stellten sich zu Momo – wohl aus Zivilcourage, so die Richterin. Als Ü. das Messer zückte, habe er tödliche Verletzungen in Kauf genommen.

Momo, der als Siebenjähriger auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland gekommen war, starb noch im Park. Einer seiner Begleiter (22) wollte den Messer-Stecher zur Rede stellen und wurde durch einen Stich schwer verletzt.

Ü. im Prozess mit Notwehr-Version: „Zur Selbstverteidigung habe ich das Messer gezogen.“ Die Anwältin plädierte auf Freispruch und kündigte Revision an.