Jan S. vor dem Richter. Handelöte er fahrlässig, als er heißen Tee kochte? Foto: Pressefoto Wagner

Paula (6) wollte mit Tee im Becher zu ihrem Platz, als sie plötzlich geschubst wurde. Ein kleiner Rempler mit schlimmen Folgen: Das heiße Wasser ergoss sich über ihren linken Oberschenkel.

Erzieher Jan S. (52) nun vor Gericht. Er hatte das Wasser während einer Nachmittagsbetreuung einer Lichtenberger Schule ausgeschenkt. Auf fahrlässige Körperverletzung lautet die Anklage. Es geschah am 16. Januar 2018. Elf Kinder in einem Raum, sechs bis zehn Jahre. Eine Lerngruppe. S. kannte die Kinder erst seit einer Woche, war Vertretungserzieher. Die Schüler wünschten sich Tee. S.: „Sie zeigten Becher und Pulver. Da holte ich den Wasserkocher.“

Als das Wasser heiß war, stellte sich die Gruppe an. Jan S. füllte die Becher absichtlich nur etwa dreiviertel voll. Der Erzieher ging damals davon aus: „Sechs- bis Zehnjährige sind kompetent genug, einen Becher mit Tee zu halten und an den Platz zu gehen.“ Während der Erzieher den Wasserkocher nach nebenan brachte, passierte es: Absichtlich oder aus Versehen wurde Paula geschubst. Das heiße Wasser. Sie schrie. Sofort eilte S. zurück, riss ihr die Hose runter. Paulas Vater (37) nun: „Wenigstens in dem Moment tat er das einzig Richtige.“

Erzieher bedauert den Unfall

Als der alarmierte Vater eintraf, sah er: „Die verbrannte Haut löste sich.“ Verbrühungen ersten und zweiten Grades erlitt Paula (Name geändert). Der Vater: „Knapp eine Woche wurde sie dann im Krankenhaus behandelt, sie hatte starke Schmerzen und hat sehr viel geweint.“ Eine Hauttransplantation war zum Glück nicht erforderlich. Die Familie erstattete Strafanzeige: „Da sind Regeln nicht eingehalten worden.“

Der Erzieher bedauerte den Unfall. Freispruch verlangte sein Anwalt: „Das Teekochen war dort damals gängige Praxis. Dass jemand schubst, kann immer und überall passieren.“ Der Richter aber: „Er hat die Temperatur nicht kontrolliert - Fingerprobe hätte gereicht.“ Bei Sechs- bis Zehnjährigen müsse man ein ungeschicktes Verhalten einkalkulieren. Urteil: 3000 Euro Geldstrafe.