Polizisten mit Sturmhauben tragen Beweismittel aus dem Haus Rigaer Straße 94. Zwei der Bewohner sollen Straftaten begangen haben. 
Foto: Eric Richard

Mit einer Ramme verschaffte sich die Polizei Zutritt, anschließend wurden mehrere Wohnungen durchsucht. Rund 200 Einsatzkräfte haben am Donnerstagmorgen in dem linken Hausprojekt Rigaer Straße 94 Beweismittel sichergestellt. Im Fokus der Razzia stehen zwei verdächtige Bewohner.  

Achtung, hier kommt das Aufwach-Kommando der Berliner Polizei! Als Beamte des Landeskriminalamtes zusammen mit einer Einsatzhundertschaft um 7 Uhr in das Haus stürmen, schlafen die meisten Linksautonomen noch. Die Durchsuchungen richten sich gegen zwei Bewohner des umkämpften Hauses in Friedrichshain. In einem Fall geht es um eine gefährliche Körperverletzung aus dem Januar dieses Jahres. Dabei sei eine Polizistin mit einem Laserpointer geblendet worden. Sie habe eine Augenverletzung erlitten. In dem anderen Fall geht es um eine politische Urkundenfälschung mit dem Ziel der illegalen Bereicherung. Betrug also. In diesem Zusammenhang wird zeitgleich eine Wohnung in der Karl-Marx-Allee durchsucht.

Während des Einsatzes fliegen vereinzelt Eier und Pappschachteln auf die Einsatzkräfte im Innenhof. Von einem der Balkone wird Farbe auf einen Polizisten gekippt. Der Angreifer verfehlt sein Ziel. Polizisten mit Sturmhauben tragen später eine Kiste mit Beweismitteln und eine Tüte mit Feuerwerkskörpern aus dem Haus. Festnahmen gibt es nicht. Die Rigaer Straße war zwischen Liebig- und Zellestraße gesperrt. Aus dem Nachbarhaus Liebigstraße 34 werden die Polizisten mit ohrenbetäubender Musik beschallt. Stundenlang ertönte unter anderem „Kill the Police“.

Einige Bewohner der Rigaer 94 twittern derweil, dass die Polizei in den Hof „eingebrochen“ sei und „Teile des Vorderhauses besetzt“ habe. Die Bewohner machen zudem darauf aufmerksam, dass die Eigentumsverhältnisse des Hauses weiter unklar seien. Ein Linksautonomer schreibt auf Twitter, dass vor der Razzia Briefe bei den Bewohnern abgegeben worden, „die einen Wechsel der Hausverwaltung darstellen sollen“. Der neue Hausverwalter wurde während des Einsatzes dabei beobachtet, wie er sich ein Bild von der aktuellen Lage machte.

Zum Hintergrund: Das Landgericht hatte Mitte Juni eine Klage der eigentlichen Eigentümerin abgewiesen, die darauf abzielte, die in dem Gebäude ansässige linke Szene-Kneipe Kadterschmiede räumen zu lassen. Als Grund gaben die Richter an, dass die vom Anwalt der Eigentümerseite vorgelegten Unterlagen nicht ausreichten, um darzulegen, wer die Eigentümergesellschaft vertritt.