Balkone abgerissen, Fenster zerstört, Fassade ramponiert: Der Neubau nach der Bagger-Attacke. Hardy Faißt/SWR/dpa

Jetzt hat er gesprochen: Der Bauunternehmer Matija P. (47), der weltweit als „Wut-Baggerfahrer“ bekannt wurde, weil er mit einem Bagger einen Neubau in Blumberg (Baden-Württemberg) verwüstet und einen Schaden von über einer Million Euro verursacht haben soll, hat sich eine Woche später exklusiv gegenüber dem Konstanzer Südkurier geäußert.

Der Wut-Baggerfahrer Matija P. äußerte sich zu der Verwüstungstat. Matija P. über Südkurier

„Ich  werde dargestellt wie ein Tier. Dabei bin ich ein ganz normaler Mensch mit Familie und Kindern, der mit ehrlicher Arbeit seine Rechnungen bezahlen will“, sagte der Mann mit kroatischen Wurzeln dem Blatt. Mit seiner Firma aus Landau in der Südpfalz beziehungsweise Vorgängerfirmen habe er als Diplomingenieur und Geschäftsführer mit rund 15 Mitarbeitern etwa 50 größere Gebäude in Deutschland errichtet.

Seit 20 Jahren habe er keinen einzigen Tag Urlaub gemacht

Er habe seit 20 Jahren keinen einzigen Tag Urlaub gemacht. Mit Ausnahme des Rohbaus habe er den Wohnkomplex in Blumberg in zweijähriger Arbeit „von Grund auf“ errichtet. Um ihn dann mit dem gemieteten Bagger, der für Straßenarbeiten bestellt gewesen sei, schwer zu beschädigen.

Als Motiv für seinen Kurzschluss gibt P. an, jahrelang ausgenutzt, erpresst und für seine Arbeit nicht bezahlt worden zu sein, bis er einfach nicht mehr konnte. „Das ist ein Schneeballsystem einer Baumafia, das glaubt mir kein Mensch. Da sind hochgebildete Menschen, mit denen kommt man nicht klar – die werden mich zerschießen, ich werde verlieren – das ist mir klar. Ich will nur die Wahrheit, mit den Konsequenzen kann ich leben“, sagt P. dem Südkurier.

Als Grund für die Zerstörung hatte Matija P., als er sich kurz nach der Tat bei der Polizei in Donaueschingen der Polizei stellte, ausstehende Zahlungen angegeben, die ihm seiner Meinung nach zu Unrecht vorenthalten worden seien.

Der Bauherr gab an, 93 Prozent der Summe gezahlt zu haben

Der Berliner Bauherr und Auftraggeber des Wohnkomplexes in Blumberg hatte das deutlich bestritten und angegeben, 93 Prozent der Auftragssumme bereits gezahlt zu haben. Der Berliner Unternehmer hatte kurz nach der Beschädigung durch den Bagger gegenüber der Zeitung angegeben, dass der Grund für die Probleme von Matija P. möglicherweise in einem anderen Bauprojekt und länger zurückliegen könnte.  

Matija P. habe ihm mehrmals erzählt, beim Bau einer Seniorenresidenz in Blumberg Forderungsausfälle von 1,7 Millionen Euro erlitten zu haben. Der Berliner sagte weiterhin: „Mit diesem Bauvorhaben hat unsere Gesellschaft nichts zu tun.“

Fenster sind schon kaputt, jetzt nimmt sich der Baggerfahrer den ersten Balkon vor ... Privat/zVg

Der Bauherr der 2020 eröffneten Seniorenresidenz dagegen erklärte, Matija P. habe bei seiner Firma keine Außenstände mehr gehabt. Und Beziehungen zum Berliner Unternehmer habe es gegeben. Dessen GmbH habe das Wohnentwicklungsprojekt gekauft, nachdem der in Bad Bergzabern ansässige Bauherr der Seniorenresidenz die Baugenehmigung für die Wohnungen bekommen habe.

Laut Südkurier sind Matija P. und der Bauherr der Seniorenresidenz, der auch den Wohnkomplex initiiert habe, geschäftlich verbunden gewesen. Matija P. soll auch schon im November 2020 gegen seinen Partner Anzeige wegen Veruntreuung gestellt haben.

Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen drei Personen 

Die Landauer Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dem Südkurier Ermittlungen gegen drei Personen, bei denen es sich „um Gesellschafter und Geschäftsführer mehrerer Firmen aus dem Bereich des Baugewerbes“ handele. Es ginge um Vorwürfe des Betrugs und der Untreue. Gegen wen ermittelt werde, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit, allerdings sei Matija P. nicht darunter. Die Ermittlungen dauerten an.

... und den zweiten Balkon ...
Privat/zVg

Der Unternehmer aus Bad Bergzabern bestätigte gegenüber dem Südkurier, dass Matija P. sein Geschäftspartner gewesen sei, beschuldigte ihn aber unter anderem des Baupfuschs und die Berliner Käufer des Wohnprojekts, ihm zu wenig gezahlt zu haben. 

Matija P. wiederum erklärte, die Berliner Auftraggeber hätten seine Notlage nach dem Bau des Seniorenzentrums gekannt und ausgenutzt: „Jedes Mal, wenn eine Zahlung im Raum stand, haben sie mich irgend einen Wisch Papier unterschreiben lassen und immer mehr an Luxusausstattungen gefordert. Ich habe geliefert, weil ich ja mit dem Rücken zur Wand stand.“

So seien laut Generalunternehmervertrag bei den schließlich demolierten Balkonen Gitterstäbe als Geländer vereinbart gewesen, dann sei aber teureres Glasgeländer verlangt und auch gebaut worden. Es wurde laut Matija P. aber nicht bezahlt.

... und der dritte Balkon muss dran glauben, zeigt ein Video.
Privat/zVg

Der zweite Geschäftsführer seines Unternehmens listete in einem Brief an die Berliner 18 unbezahlte Zusatzleistungen in Höhe von 430.000 Euro auf. Preise beispielsweise für Fenster seien so diktiert worden, dass die Firma  nichts mehr daran verdient hätte. Matija P. sei immer wieder vertröstet worden. 

Verbirgt sich dahinter eine übliche Masche von Bauträgern?

Matija P. erklärte dazu: „Der Sinn des monatelangen Vertröstens war, den Wohnkomplex zu beziehen, ihn ohne eine Unterschrift von mir als Bauleiter abzunehmen.“ Das sei eine übliche Masche von Bauträgern. „Dann hätte ich lebenslang auf eigene Kosten Mängel beseitigen müssen.“ Das sei ein abgekartetes Spiel. 

Als er nach der Abnahme des Baus durch das Bauamt ausstehendes Geld vom Berliner gefordert habe, habe der davon nichts wissen wollen und gefragt, ob er etwas geraucht habe. Kurz darauf startete Matija P. den Bagger.

Der Berliner Unternehmer war für den Südkurier nicht für eine Stellungnahme dazu  erreichbar. Sein Büro teilte mit, er sei im Urlaub.